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Stadion, Tennisstadion, Paris, Frankreich, Marc Mimram Ingénierie

Bälle in der Botanik: Neues Stadion der French-Open

Der Austragungsort der French Open, das Stade Roland Garros, hat mit dem Court Simonne Mathieu ein drittes Hauptstadion erhalten. Es liegt nicht mehr auf dem Komplex der Fédération Française de Tennis (FFT), sondern östlich davon und ist von diesem durch einen botanischen Garten, den »Jardin des Serres d’Auteuil« getrennt. Der von seinen denkmalgeschützten Gewächshäusern geprägte und seltenen Tropenpflanzen gewidmete Park wurde vom Gartenarchitekten Jean Camille Formigé (1845–1926) entworfen und 1898 eingeweiht. Das ganze Areal liegt etwa 8 km westlich von der Kathedrale Notre Dame. Das Architektur- und Ingenieurbüro Marc Mimram hat sich vom Bestand inspirieren lassen und den eigentlichen Tennisplatz mit vier, rechtwinklig zueinander angeordneten Tribünenbauten umgeben, die auf ihren Außenseiten als Gewächshäuser ausgelegt sind. Sie ergänzen die bestehenden eingehausten Gärten, um einen ausgedehnten Rundgang.

Gewächshausartige Fassade
Der neue Gewächshausring besteht aus einer gewölbten Fassade, die bodengleich beginnt, einen 90°-Kreisbogen beschreibt und horizontal an eine gut 7,50 m hohe Pendelstütze anschließt. Hieran schließt sich nach innen orientiert eine etwas über 4,50 m auskragende Tribünenüberdachung an. Die hallenartige Konstruktion misst längs des Spielfelds etwa 70 m und an den Kopfseiten immerhin noch gut 40 m. Den Planern war es wichtig, dass der Neubau die bestehenden Tropenhäuser aus dem Fin de Siècle nicht überragt.

Tribünenwangen wie Zeichendreiecke
Die 4.950 Plätze des Court Simonne Mathieu verteilen sich auf zwei Ränge. Während der Unterrang in klassischer Weise eingegraben und von einem Keller unterfüttert ist, besteht der Oberrang aus einer leicht und transparent erscheinenden Stahl-Beton-Verbundkonstruktion. Die Standflächen bestehen, wie auch die Ebene darunter aus Sichtbetonfertigteilen, auf die die Bestuhlung montiert wurde. Sie ruhen auf stählernen Zahnbalken, die zusammen mit jeweils zwei geneigten Stützen eine Ebene bilden, die an ein 30/60-Zeichendreieck erinnert, das nach außen gekippt auf seinem 60°-Winkel ruht. Der rechte Winkel ist der Spielfläche zugewandt und markiert die Vorderkante der untersten Standfläche. Der 30°-Winkel ragt steil nach oben, ist jedoch gekappt und bildet das Auflager für die oberste Zuschauerreihe.

Doppelleben durch diametrale Nutzung
Schon im Vorfeld haben Planer und Betreiber die Stadionnutzung in zwei unterschiedliche Zustände unterschieden: die Phase des Roland-Garros Turniers (French Open) und die »Zwischenzeit«, in der die Besucher allein wegen des botanischen Gartens, der allen offen steht, kommen.

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