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Meditationspavillon, CO-LAB Design Office, Cesar Bejar, Tulum, Mexiko

Bedachter Sonnengruß: Yoga-Tempel in Tulum, Mexiko

An der Ostküste der Halbinsel Yucatan, dort wo Mexiko Kuba nahekommt, liegt der Küsten- und Ferienort Tulum. Sein urbanes Wachstum ist intensiv und drängt zunehmend in den Regenwald hinein. Im Zentrum eines aktuellen, nachhaltig ausgerichteten Siedlungsprojektes steht ein fünfseitiger Meditationspavillon aus Bambus – inmitten eines »kultivierten« Dschungels und nur zu Fuß erreichbar. Inspiriert ist der Bau von den Arbeiten des spanisch-mexikanischen Architekten Felix Candela, allem voran dem 2003 eröffneten Ozeanum im spanischen Valencia. Wie bei Candela besteht der Bau aus fünf Bögen, die jeweils schmale, nach vorne geneigte Rundgauben bilden und deren Tonnendächer einander seitlich durchdringen. An diesen Schnittkurven entstehen regelmäßige Grate, die den Tiefpunkt der Dachflächen bilden und über die seine Entwässerung erfolgt. Unterhalb dieser Grate verlaufen fünf weitere 90°-Tragbögen, die sich mittig in einer Vierung – eigentlich könnte man hier von einer »Fünfung« sprechen – treffen. Dieser Knotenpunkt im Gebäudezentrum ist als offenes Oculi, als ein rundes Oberlicht ausgelegt. Aus der Anlage der Konstruktion ergeben sich sechs tragende Knotenpunkte – fünf auf der Bodenplatte und besagtes Oculi – welche die einzigen Materialausnahmen darstellen und aus Stahl bestehen. Alle anderen Bauteile wurden aus nachwachsenden Rohstoffen erstellt: Das Tragwerk besteht aus Bambus, die Dachhaut ist Zacate, ein Grasdach.

Bambus zu Bogenscharen
Die stählernen Knotenpunkte weisen Köcher auf, in die elliptische Holzbögen eingeschoben sind. Diese bestehen aus Bambusstockscharen, die in einem strukturellen Dreiecksmuster miteinander verwoben wurden und so jeweils einen fortlaufenden Strang bilden. Dessen Krümmung wurde parametrisch am Rechner entwickelt und vor Ort von Handwerkern zusammengesetzt und mittels Kaltverformung gebogen. Auf das gekrümmte Tragwerk wurde eine rautenförmige Unterkonstruktion aufgebracht, dessen einzelne Holme jeweils gerade, jedoch zueinander geneigt sind, wodurch die Dachwölbung erreicht wurde. Das so generierte Rautennetz wurde mit einer hinreichend parallelen Dachlattung beplankt, auf der das Grasdach fixiert wurde. Dank der Stahlknoten soll der Pavillon sogar Hurricankräften widerstehen können.

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