You are using an outdated browser. Please upgrade your browser to improve your experience.

print article Artikel drucken
Freiformen aus Stahl, ETFE-Folie, Trambahnhaltestelle, Hyperbolid, Fischer Kurzlechner Architekten, Büro Barthel und Maus, Schwabinger Tor, München

Beschwingtes Warten: Neue Münchener Trambahnhaltestelle Schwabinger Tor

Das neue Stadtquartier Schwabinger Tor an der Leopoldstraße ersetzt einen ehemaligen Großmarkt und ein größeren Hotelkomplex. Alles orientiert sich um einen zentralen Platz, an dem die Trambahngleise eine S-Kurve beschreiben. In deren Taille liegt der neue Straßenbahnhalt. Er besteht aus zwei wettergeschützten Wartezonen, die jeweils von einer sphärisch gekrümmten Freiform aus Stahl schwingengleich überwölbt werden. In heutiger Zeit leider unvermeidliche Klettersperren, die ein Besteigen der flachen Dachneigungen verhindern, fallen hier ausgesprochen dezent und formal schlüssig aus.

Abstrakter Torbogen
Der Entwurf und die Umsetzung des Trambahnhalts stammen von den Münchener Felix Fischer Architekten, die Statik wurde vom ebenfalls in München ansässigen Büro Barthel und Maus entwickelt. Der Leitgedanke war entsprechend dem Ortsnamen ein Torbogen, bei dem jedoch der Scheitel fehlt und die beidseitigen Haltepunktdächer die Kämpfer bilden – also die Bereiche eines Rundbogens, vor dem eigentlichen Krümmungsbeginn. Im Rahmen der dreidimensionalen Durchformung des grundsätzlichen Entwurfsgedankens durch die Architekten entstanden die jetzt realisierten Hyparschalen.

Tragwerk
Geometrisch handelt es sich beiden Dächern um Ausschnitte eines einschaligen Hyperbolids. Dessen imaginäre Schnittlinien bilden die Randträger, bei dem die Hochpunkte die stumpfen Flächenwinkel und die Tiefpunkte immer die jeweiligen Spitzwinkel einnehmen. An den Fußpunkten sind die Träger in einen Auflagerbock eingespannt, um die Dachflächen stützenfrei aufzuspannen. Hier weist der Randträger seinen maximalen Querschnitt auf. An den Scheiteln reduziert sich seine Stärke bis auf die Höhe der hier angeschlossenen Dachfläche. Zwischen den Randträgern verlaufen zwei Scharen »Geradlinig Erzeugender«: Flächengeraden, die räumlich zueinander geneigt sind und eine verdrehte Ebene mathematisch definieren. Diese Erzeugenden fungieren hier als Sekundärträger, die die Last der eigentlichen Dachhaut – eine ETFE-Folie – zu den Randträgern führt. Angeschlossen an ihre Unterkonstruktion ist diese Folie lediglich mit einer Kederschiene. Da exzentrische Belastungen - wie etwa Seitenwinde – im Tragwerk eine Torsionsbeanspruchung verursachen, wurden alle Träger als Hohlkastenprofile ausgeführt. Im Vorfeld wurde zudem ein Modell der insgesamt sehr leichten Konstruktion in einem Windkanal getestet. Zur Kompensation der festgestellten, segelartigen Effekte der aufstrebenden Flächen wurde insbesondere dessen Verankerung stärker dimensioniert.

FÜR TRAGWERKSPLANER, BAUINGENIEURE & INTERESSIERTE ARCHITEKTEN

STRUCTURE-NEWSLETTER

Wir informieren Sie in unserem Newsletter regelmäßig über tragwerksrelevante Tehmen und richten dabei den Fokus auf die wichtige Rolle der Tragwerksplaner für das Gelingen anspruchsvoller Bauwerke.