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BIM-Objekte für den Bauprozess: Hersteller müssen weiterhin »am Ball bleiben«

Ordnung ins Chaos der BIM-Objekte
Seit den ersten Überlegungen und Versuchen, Bauprodukte zu »digitalisieren« und für den BIM-Prozess nutzbar zu machen, sind nur wenige Jahre vergangen. Sie gingen einher mit der Ausformulierung des BIM-Planungsansatzes, der auf dem 3D-Gebäudemodell beruht und dessen wesentlicher Inhalt jene BIM-Objekte für Wand, Decke, Fassade oder TGA-Technik sind. Der Informationsgehalt sowie die Programmierqualität dieser Objekte waren, ehrlich gesprochen, anfangs lausig. Inzwischen bieten verschiedene nationale und internationale Dienstleister die Möglichkeit, Bauprodukte als sogenannte BIM-Objekte professionell zu programmieren und zu publizieren. Sie stellen, neben den Herstellern selbst, die Objekte zum Download für gängige BIM-Software auf ihrer Homepage zur Verfügung. Hinzu kommen Bestrebungen des DIN, das bereits 2014 das Programm »Innovation mit Normen und Standards (INS)« mit der INS 1265 initiierte. Sie dient dem Aufbau einer nationalen Datenbank für BIM-Objekte. Bis heute gibt es diese Datenbank, die deutsche Antwort auf die in UK existierende »National BIM Library (NBS)«, jedoch nicht.

Nötige Kompatibilität der Daten vorantreiben

Da jedes der BIM-fähigen CAD-Programme mit einem eigenen Dateiformat arbeitet (proprietäre Formate), ist es notwendig die Objekt-Datensätze über Programmschnittstellen an die Software-Lösungen anzubinden oder die BIM-Objekte für jede Software einzeln zu programmieren. Das ist bei der Fülle an Spezialsoftware sehr aufwändig, so dass momentan zwei Dateiformate den Markt be-stimmen: IFC (als herstelleroffenes Datenaustauschformat) und RVT (Revit, aus der Autodesk-Produktwelt). Darüber hinaus werden für Programme, z. B. für die beliebte BIM-Software Archicad und spezifische Ingenieurprogramme kompatible BIM-Objekte entwickelt, die sich direkt und ohne IFC verknüpfen und über das Programmfenster direkt aus den Hersteller- und Dienstleisterdatenbanken einbinden lassen.

Einheitliche und sinnvolle Standards entwickeln

Im Herbst 2017 führte DETAIL im Rahmen der Recherche für das Fachbuch »Building Information Modeling I Management, Digitale Planungswerkzeuge in der interdisziplinären Anwendung« fast 30 Interviews mit Bauprodukteherstellern aus dem In- und Ausland. Der Tenor aus den Reihen der Hersteller: die Bauindustrie muss stärker und in Eigeninitiative BIM-Objekte entwickeln und für die Planung bereitstellen. Sie stehen jedoch aktuell vor einem Dilemma, denn es gibt keine verbindlichen Normen, Standards und Regelwerke darüber, wie BIM-Objekte vorliegen sollen. Jeder kocht sein »eigenes Süppchen« und muss sich mit Kundenbefragung, über den Vertrieb oder mithilfe externer Berater die Fragen nach Inhalt, Bandbreite und Tiefe sowie dem Wert der Informationen im BIM-Objekt selbst beantworten. Hinzu kommt, dass eine produktneutrale Ausschreibung (erforderlich im Rahmen einer öffentlichen Ausschreibung) de facto nur möglich ist, wenn für alle Produkte vergleichbare Informationen und Datensätze vorliegen. Diese sind für BIM-Objekte aber keinesfalls geregelt.

Doch es gibt immerhin Erfahrungswerte aus der Praxis, was ein BIM-Objekt beinhalten soll. Diese sogenannten »Merkmale« sind im Wesentlichen Abmessung, Ausführung, Materialität, Oberfläche und Ausstattung, technische Spezifikationen, Normen und Richtlinien, Umweltkennzeichnungen und EPD´s sowie Infos zu Zertifizierungen und Brand-/Schallschutz, bauphysikalische Daten, Kosten, Wartungsintervalle oder parametrische Regeln und Verknüpfungen.

BIM-Objekte müssen händelbar und praktikabel sein

Die Informationen, die in dem BIM-Objekt eingebunden sind, müssen mit einem Geometriemodell verknüpft werden. Quasi wie ein »Container« liegen sie in einem 3D-Modell und liefern die Hintergrundinformationen zum Objekt. So kann man, vereinfacht gesagt, zwischen sichtbaren und nicht sichtbaren Informationen unterscheiden. Ein Beispiel: das BIM-Objekt eines Fassadenelements lässt in der Geometrieansicht im Gebäudemodell die Oberfläche und die Farbstellung Grau, die Rahmenbreite, Verglasung und Lage der Pfosten und Riegel erkennen. Nicht sichtbare (hinterlegte) Informationen sind der Einsatzbereich, statische Daten, mögliche Modifikationen und Produktvarianten sowie parametrische Informationen. Für Hersteller und Nutzer ist es daher entscheidend, wie hoch der Detailgehalt des Geometriemodells, dessen »Level of Detail« (LOD), ausgebildet und welche Produkteigenschaften, also der »Level of Information« (LOI), im BIM-Objekt hinterlegt sind. Denn Das Objekt muss a) praktikabel in der Handhabung für das jeweilige Projekt und b) akzeptabel im Erstellungs- und Pflegeaufwand für den Hersteller bleiben. Alles in allem bewegen sich die Bauproduktehersteller in einer undurchsichtigen Gemengelage, die ganz aktuell vor allem durch Initiativen aus der Bauindustrie Struktur bekommt. Doch damit kann es nicht getan sein, denn Standards und Normen müssen zügig entwickelt werden und greifen. Es bleibt zu hoffen, dass schnell Einigkeit beim Thema BIM-Objekte erzielt wird, damit die Ingenieure hier das notwendige Rüstzeug für eine transparente BIM-Planung erhalten.

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