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Henninger Turm, Frankfurt am Main, Meixner Schlüter Wendt Architekten

Bleibender Eindruck vom Vorgängerbau: Neuer Henninger-Turm in Frankfurt a.M.

Der zwischen 1959 und 1961 errichtete erste Henninger-Turm war bis 1974 das höchste Gebäude von Frankfurt am Main. Prägnant saß auf dem quaderförmigen Hauptkörper außermittig ein Drehrestaurant in Form eines Fasses. Primär war der Turm ein reiner Zweckbau, der aus 16 Silozellen bestand, in denen die gleichnamige Brauerei ihre Getreidevorräte lagerte. Das 120 m hohe Hochhaus avancierte in den Jahren des Wiederaufbaus schnell zum Wahrzeichen der Stadt. Das Radrennen »Rund um den Henninger-Turm« ist noch heute vielen ein Begriff, obwohl es sponsorenbedingt seit 2017 »Rund um den Finanzplatz« heißt. Die Architekten seines Nachfolgebaus Meixner Schlüter Wendt begriffen den nicht unter Denkmalschutz stehenden Henninger-Turm als ein »emotionales Denkmal« der Stadt. Sie sahen eine »konzeptuelle Dringlichkeit« die Erscheinung des Vorgängers »in irgendeiner Form zu erhalten oder zu transformieren«. Festgelegt war von Seiten der Investorengesellschaft Actris eine exklusive Wohnnutzung, weshalb 207 Eigentumswohnungen entstanden, die sich auf den 40-stöckigen Neubau und einen, diesen umgebenden, 7-geschossigen Sockelbau verteilen.

Optimierte Bewehrung
Das neue Hochhaus besitzt einen vertikalen Erschließungskern, von dem die Geschossdecken horizontal zu Pfosten in der Fassadenebene spannen. Auf diesem 34 Stockwerke umfassenden inneren »Hals« sitzt dann das neue »Fass« oder - um im Bild zu bleiben - ein Kopf. Hier sind exklusive Penthouse Wohnungen, eine für Besucher zugängliche Aussichtsterrasse sowie ein Roof-Top-Restaurant untergebracht. Maßgabe war für die mit der Statik betraute Ingenieurgesellschaft EHS bei dem in Beton errichteten Hochbau den Bedarf an Bewehrungsstahl möglichst gering zu halten - letztlich auch aus Gründen der Nachhaltigkeit. Allerdings handelt es sich hierbei um ein, iteratives Verfahren, da weniger Stahl oft mit mehr Beton kompensiert werden muss. Ziel ist es, durch eine geeignete Detaillierung möglichst dünne Bauteile mit einer optimierten Bewehrung zu entwickeln, die natürlich den geltenden Bauverordnungen entsprechen. Im Bereich des Rundbauaufsatzes wurde dies durch ein Abhängen der Fassadenelemente von der auskragenden Geschossplatte darüber erreicht.

Verzicht auf Setzungsgassen
Der Neubau des Henninger-Turmes steht auf einer Flachgründung. Eine Pfahlgründung war nicht erforderlich, weil durch den Vorgängerbau in gut 50 Jahren eine deutlich erhöhte Bodenkompression entstanden ist. So konnte das Turmfundament zusammen mit der Gründung der flankierenden Bebauung erstellt werden. Auch ein Verzicht auf die üblichen Setzungsgassen zur Trennung der Hochhausfundamentierung von der daran anschließenden Randbebauung war möglich. Denn übermäßige Setzungen sind, bedingt durch die erwähnte Vorpressung nicht zu erwarten. Setzungsgassen bezeichnen Vertikalfugen im Untergrund von Hochhäusern, die nach Abschluss der Maßnahme in der Regel mit Beton verfüllt werden.

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