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Perth, Cadogan Song School, Schule, Palassis Architects, Schalenkonstruktion

Cadogan Song School Perth: Ein Hauch von Gotik

Wie eine Kapelle fügten die ortsansässigen Palassis Architekten die Cadogan Song School vor die südöstliche Chorfassade des angelikanischen Doms im westaustralischen Perth. Die Tragwerksplanung stammt von Pact Construction, ebenfalls aus Perth. Während letzterer ein klassizistischer Backsteinbau des späten 19. Jahrhunderts ist, bekennt sich die aktuelle Ergänzung unzweifelhaft zur heutigen Zeit, zeigt aber auch starke gotische Einflüsse. Insgesamt 14, jeweils paarweise angeordnete Kreuzgratgewölbe überdachen baldachinartig ein kaum 75 m² großes Areal, unter dessen westliche Hälfte ein eingeschossiger Chorproberaum geschoben ist. In der Osthälfte findet sich eine Wendeltreppe, die sich um eine angedeutete Vierungsachse hinaufwindet. Die obere Ebene, letztlich das Proberaumdach, liegt auf demselben Niveau wie der, auf einer natürlichen Terrasse errichtetet Dom. Der Proberaum liegt effektiv im Untergeschoss desselben, seine Nebenräume sind von hier aus ebenerdig in den Untergrund eingegraben und reichen bis an die Kirchenfundamente heran.

Kreuzgratgewölbe als Betonschalen
Alle sichtbaren Elemente der Singschule bestehen aus Weißbetonfertigteilen mit einer leicht strukturierten Oberfläche. Dies schließt nicht nur die drei gitterförmigen Wandelemente, die gewölbten Deckenträger des Proberaums und die kreuzförmigen Dachstützen ein. Es beinhaltet auch die 14, jeweils als Einzelelemente gefertigten Kreuzgratgewölbe der Dachjoche sowie die beiden Spitzen des über dem Wendeltreppenauge angeordneten Vierungsturms. Größte Herausforderung für den im südaustralischen Adelaide ansässigen Fertigteilhersteller war die beschädigungsfreie Teileanlieferung durch die Wüste hindurch nach Perth. Dazu verstärkte man die  Wandung von den erforderlichen 70 mm auf 135 mm und brachte eine zusätzliche 10 mm starke Bewehrung ein. Um die beiden, fast 10 m hohen, Turmspitzen vor Bruch zu schützen, beließ man diese bis zu ihrer endgültigen Platzierung in ihren mit CNC-Fräsen computergenierten Sonderschalungen. Für ein präzises Auf- und Ausrichten dieser beiden, an eine Stimmgabel erinnernden, Spitzen und das exakte Platzieren der Gewölbeeinheiten hatten die Ingenieure spezielle Hubrahmen entwickelt, die an diesen Schalungen befestigt waren. Der auf einem nicht anfahrbaren Kathedralenvorhof geplante Neubau erforderte ein präzises Einheben der Fertigteile mittels Autokran über eine Distanz von rund 60 m. Auch die Vorgabe der Architekten, alle Aufhängungen und Anschlüsse verdeckt auszuführen, benötigte eine intensive Abstimmung zwischen den Tragwerksplanern und dem Fertigteilhersteller SA Precast.

Benannt ist das gut 2,5 Millionen Euro teure Projekt nach seinem Finanzier, dem englischen Aristokraten und Immobilien-Tycoon Charles Cadogan, einem persönlichen Freund des angelikanischen Dekans von Perth John Shephard. Mit seiner expressiven Formensprache erhielt der Neubau den »National Australien Architectural Award 2018« der Kategorie »Heritage«.

Betonfertigteile: SA Precast, Adelaide/AUS

Weißbeton: Aalborg Portland A/S, Aalborg/DK

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