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Vogelobservatorium, Rotterdam, RAU Architekten, RO & AD Architects, Ortbeton, Holzkonstruktion

Das Ei des Zollinger: Vogelobservatorium bei Rotterdam

Das Naturschutzgebiet De Scheelhoek liegt am westlichen Ende des Haringvliet, einem, heute durch ein Sperrwerk gesichertes Binnenmeer, das zum Mündungssystem des Rheins zählt. Der Betreiber dieses »Kierbesluit« genannten Sperrwerkes hat zusammen mit dem niederländischen Vogelschutzverband und der Organisation Natuurmonumenten eine Initiative zur »Bereicherung der Natur« gestartet. An zahlreichen Punkten im Naturschutzgebiet sind Vogelbeobachtungsstationen und Aussichtspunkte vorgesehen. Einer der ersten, der April 2019 eröffnet wurde, ist das Observatorium zur Beobachtung der Großen Seeschwalbe; entworfen von RAU Architekten aus Amsterdam zusammen mit RO & AD Architects aus Bergen op Zoom.

Das Observatorium besteht aus einer spiralförmig aufwärts sich schraubenden Ortbetonrampe, von der aus die Besucher durch schmale Öffnungen hindurch schauen können. Die Außenhaut ist eine selbsttragende Holzkonstruktion in der Bauweise eines Zollingerdaches, die von Außen mit Reet verkleidet ist. Oberhalb des zentralen Rampenauges besitzt das eiförmige Objekt ein offenes Oberlicht, das mit einer Attika aus senkrechten Reethalmen kammartig umfasst ist. So betonen die Architekten die Raummitte und leuchten gleichzeitig den Innenraum natürlich aus.

Zollingerdach
Der Begriff umschreibt eine freitragende Dachkonstruktion, die vom Merseburger Stadtbaurat Friedrich Zollinger zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelt wurde. Dabei werden in Systembauweise, gleichartige Kanthölzer rautenförmig zu einem Stabnetztragwerk zusammengesetzt und bilden zusammen ein schalenartiges und stützenfreies Dachtragwerk aus. Diese Bauweise kam insbesondere bei den vielfach im Siedlungsbau der Zwischenkriegszeit eingesetzten Spitztonnendächer zum Einsatz. Damit war einerseits eine bessere Raumnutzung möglich, da ein tragender Dachstuhls entfiel, andererseits verringerte sich auch der Holzbedarf um rund 40 Prozent. Zudem waren nur kurze Bohlstücke und keine langen Pfetten erforderlich, ein Kran wurde nicht benötigt (ähnlich dem Frans Masereel Centrum im belgischen Kasterlee. Modul eines Zollingerdaches ist ein »schiefes Kreuz«, bei dem ein Kantholz sich jeweils über zwei Felder erstreckt. Es trifft damit immer auf die Mitte eines benachbarten Kantholzes und bildet so mit den Nachbarelementen die sphärisch gekrümmten und sehr markanten Rauten aus. 

Reversibilität
Das ganze Observatorium kann bei Sturmflutgefahr bis auf seine Fundamente kurzfristig demontiert werden. Seine Außenhaut wurde nach dem »File-to-Factory«-Prinzip in Finnland computergesteuert gefräst. Die rund 400 Einzelteile der Außenhaut wurden per Schiff angeliefert, wo sie vor Ort zusammengesetzt wurden. Das modulare Prinzip und die Materialwahl folgen den Prinzipien des nachhaltigen Bauens und eines geschlossenen Lebenszyklus'.

Landschaftsarchitekten: H+N+S Landscape architecs, Amersfoort
Bauausführung: Van Hese Infra, Middelburg
Fundamente: BreedID, Rotterdam
Reeteindeckung: ELG Rietdekkers, Schoonebeek

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