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St Giles Circus, London, Rendering: Orms and Sampson Associates

Der Dreh- und Angelpunkt von St. Giles Circus, London

Das St. Gilles Circus-Ensemble besetzt ein langgestrecktes, schmales Eckgrundstück zwischen New Oxford Street und Charing Cross Road. Zu letzterer hin wird das Neubauprojekt durch eine denkmalgeschützte Fassadenfront abgeschlossen. Eine 300 Jahre alte Schmiede, die sich auf dem Grundstück befunden hatte wurde aufwändig um etliche Meter verschoben und konnte so vollständig erhalten bleiben.

Die zur Underground-Station hin orientierte Stirnseite besteht aus zwei kubischen Gebäudeteilen, dessen Hauptfassaden aus insgesamt 24 lamellenartig angeordneten Stahlportalen gebildet wird. Acht davon - die des hinteren Bauteils (B) - sind nur drehbar, 18 weitere, die des vorderen Bauteils (A) - können vollständig verfahren werden, sodass man später von der Straße aus in den offenen Innenraum blicken kann. Alle ca.10 m hohen und rund 3,6 t schweren Elemente wurden vom Südtiroler Fassadenbauunternehmen Frener & Reifer entwickelt und im Werk in Brixen vollständig vorgefertigt.

Alle Vertikalportale werden durch Getriebemotoren bewegt: Eine Rotationsbewegung öffnet sie, eine Translationsbewegung fährt die, bei denen es möglich ist, zur Seite, Schienen führen diese in eine Parkposition. Die oberhalb des EG eingesetzten Elemente ruhen nicht auf dem sichtbaren Querträger, sondern hängen statisch von der Dachkonstruktion oberhalb des 4. OG herab. Ihre vertikalen Drehwellen lagern in einer Art Wagen, der im Wesentlichen aus zwei Getriebemotoren besteht: Einer vollführt die Drehbewegung, der andere fährt in der Führungsschiene zur Seite. Die größere Fassadenfront des Bauteil A besteht aus neun Fassadenflügeln, hier sind statisch divergierende Lastfälle zu beherrschen. Im geschlossenen Zustand ist die Lastverteilung annährend gleichmäßig. Bei geöffneter Fassade, wenn die Elemente in ihrer seitlichen Position geparkt sind, verteilt sich deren 30 t schwere Last auf zwei Seiten, da sich die Lamellen in Teilen nach links und nach rechts verschieben.

Von den zwei verschiedene Portaltypen wurden vor Ort zunächst die acht drehbaren Elemente am Bauteil B montiert. Die vorgefertigten Elemente wurden in einer großen, lokal erstellten Rahmenkonstruktion platziert. Bautolleranzen minimierte der Fassadenhersteller dadurch, dass er auch die jeweiligen Dreh- und Angelpunkte zur Montage am Tragwerk entwickelt und hergestellt hat. Die jetzt montierten Portalflügel stehen vor einer Glasfront, die die eigentliche thermische Trennung bildet, weshalb die Fugen zwischen den Flügeln für eine Luftzirkulation hier offen blieben. Im Sommer 2019 folgt die Montage die dreh- und verfahrbaren Flügel des Bauteils A. Sie bilden die Grenzschicht zwischen innen und außen und sollen über umlaufende Dichtungen verfügen. Diese liegen an einer Metallverkleidung an, die um die Stahlunterkonstruktion herumgeführt wird. Der St. Giles Circus soll 2020 eröffnet werden.

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