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Boris Peter, Knippers Helbig, Digitalisierung, BIM

Digitalisierung und Planungskultur

Die Digitalisierung wird unsere Planungskultur verändern. Nehmt den Wandel endlich selbst in die Hand!

Eine der etablierten deutschen Parteien wirbt für die diesjährige Bundestagswahl mit »Digital first, Bedenken second« und »Die Digitalisierung ändert alles. Wann ändert sich die Politik?«.
Die Digitalisierung im Bauwesen ist ein schwergewichtiger Dampfer der zwar langsam fährt, aber nicht mehr zu stoppen sein wird. Gefordert und gefördert von der Bundes- und Landesregierungen, vor allem um Kosten und Termine bei zukünftigen Großprojekten (scheinbar) besser in den Griff zu bekommen. Die Digitalisierung dient dabei oft auch als politischer Deckmantel für die wirklichen Probleme in den Bauprojekten.

In kreativen Kreisen von Architekten und Ingenieuren wird die zunehmende Digitalisierung häufig immer noch kritisch betrachtet und das Akronym »BIM« nicht (mehr) gerne verwendet. Es wird oftmals nur als eine Planungsmethode angesehen, wie es in den 80er Jahren die Umstellung auf die CAD-Zeichnung war. Die digitalen parametrischen Prozesse werden als wenig geeignet für den kreativen schöpferischen Prozess des Bauwerksentwurfs betrachtet und deshalb beschäftigt man sich damit auch erst, wenn es ein Projekt verlangt. Dann schickt man Mitarbeiter zu Schulungen, ebenso wie damals als das CAD neu war.

Die Bauindustrie und clevere Projektsteuerungsgesellschaften haben schon vor Jahren ganze Abteilungen für die Entwicklung digitaler Planungsmethoden gebildet. Sie sitzen in allen wesentlichen Gremien, die in Zukunft die Standards unserer digitalen Zusammenarbeit bestimmen werden. Große deutsche Baufirmen formulieren offen, dass sie Projekte am liebsten nach der Vorplanung übernehmen wollen. Die von ihnen so geplanten Bauwerke würden Kosten- und Terminvorgaben besser einhalten, Planungszeiträume verkürzen und Planungskosten einsparen.

Wann wachen die Planungsbüros, vor allem die Architekten und Tragwerksplaner endlich auf? Wir Planer müssen jetzt die Digitalisierung selbst in die Hand nehmen, sonst werden wir Marktanteile und die für die Baukultur unerlässliche gute deutsche Planungstradition der Trennung von Planung und Ausführung endgültig verlieren.

Die freien Planungsbüros brauchen dringend gemeinsame professionelle Strukturen, die die Interessen der freien Planungsbüros öffentlich vertreten, die Stimme in den Gremien erheben und die Entwicklung aktiv mit gestalten. Es reicht nicht mehr, dass einige sich ehrenamtlich in Ihren Landeskammern engagieren, wenn wir verhindern wollen, dass andere (nicht Planer) uns in Zukunft den Planungsprozess und den von uns zu bearbeitenden Umfang vorgeben. Die digitale Strategie muss Chefsache in den Planungsbüros und in den Bundeskammern werden. Die Architekten- und Ingenieurkammern müssen auf Bundesebene eine gemeinsame Haltung und professionelle Strategie entwickeln!

Eine kritische Haltung zur Digitalisierung ist im Sinne der Baukultur notwendig, aber sie sollte kritisch konstruktiv sein und die Digitalisierung als Chance für einen grundlegenden Paradigmenwechsel im Bauwesen begreifen! Es sind nicht die Methoden selbst die zukünftige Großprojekte erfolgreich machen werden, sondern die Art und Weise wie wir digitale Methoden im Sinne einer interdisziplinären, partnerschaftlichen und vertrauensvollen Zusammenarbeit in Zukunft anwenden werden!
Lasst uns endlich genauso professionell, wie es uns die Bauindustrie vormacht, das Heft selbst in die Hand nehmen. »Digital first, konstruktive Bedenken second« – im Sinne der Baukultur!

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