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Jewel Changi Flughafen, Singapur, Safdie Architects

Dschungel im Glashaus: Jewel Changi Flughafen in Singapur

Jewel Changi Airport dient als Verbindungselement zwischen den bestehenden Abfertigungsgebäuden, die teils unterirdisch, teils über aufgeständerte, verglaste Brücken erreicht werden. Neben Flughafeneinrichtungen, Gastronomie, Erholungsbereichen und einem Hotel sind hier in erster Linie Einkaufsflächen um eine gemeinsame Mitte angeordnet. Hier liegt wie in einem fünfgeschossigen Amphitheater ein terrassierter tropischer Garten, über dem sich scheinbar schwerelos eine triangulierte Glaskuppel aus schlanken Stahlprofilen wölbt. Zur Mitte hin stülpt sich die Dachfläche nach unten zu einer kreisrunden Öffnung von 12 m Durchmesser, die mit einem durchgehenden ETFE-Kissen geschlossen ist. Vom Kreisring zwischen Tragwerk und Kissen stürzen pro Minute 40000 l Wasser hinab in eine Art Brunnen auf der untersten Ebene. Die kontinuierliche Wassersäule wird teilweise aus Monsunregenwasser gespeist und trägt zur Kühlung des ringsum verglasten Innenraumes bei. Das spektakuläre Ambiente soll den Jewel neben seiner erschließungstechnischen und kommerziellen Bedeutung für den Flughafen zu einem eigenständigen Reiseziel machen.

Liegender, elliptischer Torus
Das gestaltgebende Element des im April 2019 eröffneten Neubaus ist die filigrane Gitterschale mit einem zentralen Auge für den Wasserfall. Hülle und Tragwerk bilden damit eine Einheit. Die Gesamtform stellt einen liegenden, elliptischen Torus von 200 m Länge und 150 m Breite dar. Seine geometrische Mitte ist – für den Besucher kaum wahrnehmbar – exzentrisch angeordnet, um auf die bereits existierende Hochbahn zu reagieren, die das Gebäude in Längsrichtung durchdringt. Die Torusfläche ist in Dreiecke gegliedert, um kosteneffizient zu produzierende ebene Glaselemente zu erhalten. Außerhalb des Stützenrings funktioniert das Dach als typische Gitterschale. Die Krümmung erzeugt hier im Wesentlichen Druckkräfte, die Höhe der Tragprofile liegt bei ca. 350 mm. Der Bereich innerhalb der Stützen hat lediglich eine Höhe von 250 mm. Er kann als umgekehrter Konus verstanden werden, der selbst vorwiegend Zugkräfte aufweist, aber im Gegenzug einen Druckring direkt über den Stützen erzeugt. Dieser Bereich ist der komplexeste des gesamten Tragsystems: hier überlagern sich die oben beschriebenen Druckkräfte mit den senkrecht auf die Schale wirkenden Auflagerkräften. Um die entstehenden Momente aufnehmen zu können, haben die Profile hier eine Höhe von bis zu 750 mm. Diese in drei Zonen gestaffelte Schale ist am äußeren Rand auf einem Ringträger unterhalb der obersten Ebene gelagert. Unterhalb davon ist die Hülle als vorgehängte Fassade ausgeführt.

 

 

Weitere Informationen:

Dachtragwerk: MERO, Würzburg
ETFE-Folienkissen: Vector-Foiltec, Bremen
Gebäudetechnik: Mott MacDonald, Singapur
Generalunternehmer: Woh Hup-Obayashi JV, Singapur

Eine ausführliche Print-Dokumentation finden Sie in unserer Ausgabe structure 3/2019.
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structure 3/2019

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