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Calgary, Stadtbibliothek, Snøhetta, Entuitiv

Ein Gebäude als Schnittmenge: Neue Stadtbibliothek von Calgary

Über die Hälfte der 1,2 Mio. Einwohner der kanadischen Großstadt Calgary sind aktive Nutzer des lokalen Bibliothekssystems. Die alte Bibliothek war bei weitem zu klein geworden, weshalb 2012 ein internationaler Wettbewerb ausgelobt wurde, den das norwegische Architekturbüro Snøhetta gewann.

Herausforderung Stadtbahneinhausung
Der Bau besteht aus lediglich zwei Fassaden: Zwei Kreisbögen, die eine Fläche umschreiben, die an eine Schnittmenge der Mengenlehre erinnert. Die Form leitet sich von der Trasse einer hoch frequentierten Stadtbahntrasse ab, die das Gebäude auf seiner Westseite quasi als Einhausung überbaut. In einer langgestreckten Kurve taucht die Bahn innerhalb des Gebäudes aus dem Untergrund auf und fährt dann oberirdisch weiter. Rückblickend betrachten die Ingenieure von Entuitive die Stadtbahneinhausung als größte konstruktive Herausforderung: An eine Stilllegung der hoch frequentierten Trasse war nicht zu denken. Der Neubau ruht auf Pfahlgründungen mit 1,80 m Durchmesser, die bis zu 33 m tief in den felsarmen Boden getrieben wurden. Die Bibliothek ist in dem nominell sechsgeschossigen Gebäude oberhalb des 2. OG untergebracht. Hier ist der Bau von radial zum jeweiligen Fassadenbogen angeordneten, bis zu 12 m weit spannenden Sichtbetonunterzügen, geprägt, auf den ebensolche Decken aufliegen.

Schnittmengenartige Treppenhalle
Im Zentrum der Bibliothek findet sich eine gebäudehohe, erneut schnittmengenartige Treppenhalle. Im Westen wird sie von der Stadtbahn umfahren, auf der Ostseite liegt der Haupteingang. Mit Zedernholz verkleidete Flanken wirken wie geschwungene Bänder, die die Geschosse miteinander verbinden: Die einläufigen Treppen kragen bis zu 10 m weit aus. Um die Treppenhalle zusammen mit der Straßenbahn zu überspannen, wurde mit brückenartigen Bindern gearbeitet. Der größte ist 55 m lang und 200 t schwer. Die Schweißarbeiten dauerten Wochen: Jeder Binder wurde einzeln gesetzt und erst mit der anstehenden Bewehrung final verschweißt und vergossen, bevor der folgende platziert werden konnte.

Zeitplan eingehalten, Kosten gespart
Das Gebäude hat eine Aluminiumfassade, die in ihrer Grundstruktur aus prismenartigen Feldern besteht, deren Innenfläche ausgehend von einer senkrechten Mittellinie strukturiert ist. Die so entstandenen Teilflächen sind häufig mit einer dreifachen Festverglasung durchbrochen, über die der Bau zusätzlich zum großen Treppenhallenoberlicht belichtet wird. Die über fünf Jahre dauernden, teils mit sehr hohem technischen Aufwand betriebenen Arbeiten beeinträchtigten kaum den Zugverkehr. Dessen Pünktlichkeit wird auf 99 % beziffert. Gleichzeitig gelang es, das Projekt zehn Millionen Kanadische Dollar günstiger als veranschlagt abzuschließen und im Zeitplan zu bleiben.

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