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Ulrich Müther, Hyparschale, Hyperbolisches Paraboloid, Carbonbeton, Magdeburg, gmp Architekten

»Himmel und Hölle«: Sanierung der Hyparschale Magdeburg

Ulrich Müther, einer der großen Konstrukteure der DDR, schuf insgesamt 74 Schalenbauwerke. Seine 1969 realisierte Magdeburger Hyparschale – den Begriff prägte Müther anstatt des sperrigeren »Hyperbolisches Paraboloid« – ähnelt auf frappierende Weise dem drei Jahre jüngeren und merklich größeren Dresdener Ruderzentrum in Blasewitz. Beide Bauten bestehen aus jeweils vier hyperbolischen Paraboloiden, die zu einem Quadrat angeordnet und durch zwei, sich mittig kreuzende Oberlichtbänder gegliedert sind.

Im Grunde erinnert die Konstruktion der stützenfreien Halle in Magdeburg an eine stark aufgespreizte Version des Kinderfaltspiels »Himmel und Hölle«. Es gibt eine quadratische Grundfläche, in dem Fall sind es 48 x 48 m, außen liegende Hochpunkte und zwei sich mittig kreuzende Falzkanten. Bei den Hyparbauten sind das die erwähnten Oberlichtbänder. Bei beiden quadratischen Hallenkonstruktionen liegen die Firstpunkte nun ganz in den Gebäudeecken, die quadratischen, leicht gekrümmten Dachflächen fallen zur Mitte hin ab. Die Traufpunkte liegen immer in den Fassadenmittelachsen, Zuganker springen von hier diagonal vor und fixieren die Konstruktion im Untergrund. Die Oberlichtbänder verlaufen in den Mittelachsen nach innen, wo sie sich im Mittelpunkt kreuzen. Infolge der doppelten Dachkrümmung liegt dieses Zentrum jedoch erheblich höher als die äußeren Traufpunkte, wodurch eine vierungsartige Dachöffnung entsteht. Mit der Konstruktion und vor allem über die vollverglasten Fassadenecken wollte Müther einen maximalen Tageslichteintrag ins Gebäude erzielen.

Die Magdeburger Halle war seit 1997 ungenutzt und tendierte zum Verfall. Nach einem Sanierungskonzept von gmp Architekten aus Hamburg wird sie jetzt instand gesetzt, wobei dem Erhalt des Innenraums eine Schlüsselbedeutung zukommt. Die vier, durch zahlreiche Risse geschädigten Hyparschalen der Dachteilfläche werden derzeit von der Dresdener CarboCon saniert. Das von Manfred Curbach, Professor an der TU Dresden, mitbegründete und auf Carbonbeton spezialisierte Unternehmen wird auf deren Unter- und Oberseiten jeweils eine 10 mm dünne Betonschicht mit einer sehr leichten Bewehrung aus Carbonfasermatten aufbringen. So wird die Tragfähigkeit des Daches nicht nur wiederhergestellt, sondern sogar erhöht, während die Gebäudeproportion praktisch unverändert bleibt. Die Architekten planen eine künftige Nutzung des Mütherbaus als Mehrzweckhalle mit zusätzlichen Galerie-Ebenen und begehbaren Brücken im Innenraum.

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