You are using an outdated browser. Please upgrade your browser to improve your experience.

print article Artikel drucken
Solingen, GFK-Brücke, Kunststoffbrücke, Vorfertigung, Hochschule Bochum, Robert Mehl

Korkenziehertrasse: Erste Kunststoffbrücke Deutschlands in Solingen

In den Niederlanden gibt es bereits rund 1.500 Brücken aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK), auch Belgien und Frankreich haben jeweils etwa 50 davon. Selbst in Italien und Großbritannien trifft man insbesondere bei Radwegen auf diese Leichtbaubrücken. In Deutschland steht dem bislang das Baurecht entgegen, was sich nun ändern soll. Die sogenannte Korkenziehertrasse war eine serpentinenförmige Eisenbahnverbindung, die im 19. Jahrhundert eingerichtet wurde und Solingen über Haan mit Wuppertal-Vohwinkel verband. Endgültig stillgelegt 1995, startet der Umbau der früheren Bahnstrecke in einen Radwanderweg im Zuge der Regionale 2006. Bei den Umplanungen ging man von einer deutlich geringeren Nutzung aus, seit 2010 resultieren daraus umfangreiche Sanierungs- und Wartungsarbeiten, die auch die zahlreichen Kleinbrücken betreffen.

GFK soll Kosten sparen
Letztlich aus Kostengründen favorisierten die Technischen Betriebe von Solingen eine Brückenlösung aus GFK-Kunststoff, wie sie in den Niederlanden bei Radweg-Überfahrungen schon vielfach eingesetzt wird. Das zentrale Hindernis in Deutschland ist die fehlende bauaufsichtliche Zulassung. Um diese zu initiieren, wurde das Bauvorhaben durch die Hochschule Bochum unter der Federführung von Martin Mertens, Lehrgebiet Technische Mechanik, Baustatik, Holz- und Brückenbau im Fachbereich Bau- und Umweltingenieurwesen, begleitet. Produziert wurde die Brücke von Janson Bridging in Emmerich, einer Niederlassung des gleichnamigen niederländischen Unternehmens in Hank.

Als erster Ersatzneubau wurde bewusst eine schiefwinklige Brücke gewählt, um auch die Konfigurierbarkeit der Vorfertigung bei Sonderfällen zu prüfen. Der 7,50 m lange, 3,30 m breite und nur 250 mm hohe Fahrbahnkörper besteht aus eckigen Schaumstoffkörpern, die nach ihrer Anordnung mit GFK umhüllt wurden. So entstand eine Oberflächenanmutung, die an eine Brettschalungsoptik im Sichtbetonbau erinnert. Auf den massiven Kunststoffkörper wurden nach dem Aushärten feuerverzinkte Füllstabgeländer gemäß DIN mit einer Bodenplatte geschraubt. Art und Körnung des Fahrbahnbelags konnten frei gewählt werden. Man entschied sich für eine relativ grobe Natursteinkörnung, die effektiv in das Epoxidharz eingewalzt wurde.

Die neue Brücke kann auch von Fahrzeugen mit einem zulässigen Gesamtgewicht von bis zu 4,5 t befahren werden. Kurzzeitbelastungen von 120 kN (ca. 12 t) sind rechnerisch möglich. Da es weder Korrosion noch Verrotten gibt, geht der Hersteller von einer Wartungsfreiheit der Brücke aus, die darüber hinaus UV-beständig und weitgehend resistent gegen Chemikalien ist.

Die eintägige Brückenmontage fand am 13. Februar 2020 mit nur zwei Arbeitern und einem Autokran statt. Inklusive der vorbereitenden Arbeiten, dem Abbruch der Altbrücke, der Verkehrssicherung und weiterer Nebenkosten veranschlagt die Stadt Solingen Gesamtkosten von rund 75.000 Euro.

FÜR TRAGWERKSPLANER, BAUINGENIEURE & INTERESSIERTE ARCHITEKTEN

STRUCTURE-NEWSLETTER

Wir informieren Sie in unserem Newsletter regelmäßig über tragwerksrelevante Tehmen und richten dabei den Fokus auf die wichtige Rolle der Tragwerksplaner für das Gelingen anspruchsvoller Bauwerke.