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MAD Architects, Peking, Pavillon

Living Garden Pavillon in Peking - Energiegewinn mit Halbschatten

Der »Living Garden Pavillon« von MAD Architects ist eine von zehn Kleinarchitekturen, die noch bis zum 9. November 2018 in Peking in der Ausstellung »2018 China House Vision« zu sehen sind.

Gitter formt Dach
Der Bau besteht im wesentlichen aus einer sphärisch gekrümmten Dachschale, die an einer Stelle im Boden verankert, von zahlreichen, schlanken Edelstahlstützen getragen wird. Diese Stäbe stehen nicht zwingend senkrecht, manche haben eine diagonale Orientierung, die die Querkräfte kompensieren und letztlich der Windaussteifung dienen.
Ein verformtes Gitter aus Bambus-Leimbolzbindern, zusammengefügt mit einem speziellen Beschlag, der neben den erforderlichen Winkelverbindern noch über eine Photovoltaikhalterung verfügt, ergeben eine halboffene, halbtransparente Dachhaut. Die erwähnte Halterung funktioniert wie ein umgedrehter Bürostuhl: Dort wo sich die »Sitzfläche« befindet, ist ein Teller platziert, auf den die erwähnten vier Winkelbeschlägen geschweißt sind. Von diesem Teller geht ein ca. 20 cm langes Rohr ab, an dem wiederum vier etwa 30 cm lange Stahllaschen sitzen - die »Bürostuhlfüße«. Dort, wo deren Rollen sitzen, ist ein quadratisches, etwa 50 x 50 cm großes Photovoltaikpaneel eingeclipst.

Halbtransparente Photovoltaik

Das Besondere an diesen Paneelen ist, dass die Strom produzierenden Photozellen hier nicht in blickdichte Tafeln integriert, sondern auf unkaschierte Glasscheiben geklebt und damit durchsichtig sind. Die Elemente erzeugen nicht nur Strom, sondern auch einen Halbschatten, der an einen Blätterwald erinnert. Dieser Eindruck wird durch die halboffene Anlage des Daches verstärkt: Die großen Abstände zwischen den einzelnen Solarpaneelen waren nie auf eine Regendichtheit angelegt. Wie bei einem natürlichen Blätterdach sammeln sich die ersten Regenspritzer auf der Dachhaut, tropfen aber irgendwann durch. Folgerichtig wird der Pavillon als Gewächshaus genutzt. Die Pflanzen unter diesem Dach gedeihen gut, sie erhalten auf natürliche Weise Wasser, ausreichend Sonne. Dennoch ist es etwas wärmer und windgeschützter als in einem echten Freiraum.

Gestern und Heute
Der Bau besitzt in seinem Entwurfsgedanken eine subtile Nähe zur Akademie Mont Cenis in Herne-Sodingen. Diese entstand 1998 im Rahmen der Internationalen Bauausstellung (IBA) »Emscherpark«. Das von dem französischen Architekturbüro Jourda und Perraudin zusammen mit dem deutschen Architekten Manfred Hegger mehr als fußballfeldgroße Hallengebäude ist eine Haus-in-Haus-Architektur. Kleinere Gebäudevolumen wurden unter einem großen - hier jedoch ebenen - Glasdach platziert, das aus zahllosen, halbtransparenten Photovoltaikelementen besteht. Lange Jahre war dies die größte gebäudeintegrierte Photovoltaikanlage Deutschlands, die zudem autark den Gebäudeenergiebedarf der Akademie sicherstellte und: hier wurden schon vor 20 Jahren die raumbildnerischen Möglichkeiten halbtransparenter PV-Elemente aufgezeigt. 

Fassadenbau: RFR Asia

Bambus-Stahlverbinder and Solar-Panel-Klammer: Beijing Haihuihang Decoration Engineering Co., Ltd.

Landschaftsbau: Original Ecology Landscape Co., Ltd.

Holzdielenboden: Beijing Tianzhuo Trading Co., Ltd.

Curtain-Wall-Fassade: Beijing Xinyecheng Curtain Wall Engineering Co., Ltd.

Kunst-am-Bau: Beijing Songzhuang Hongda Sculpture Art Co., Ltd.

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