You are using an outdated browser. Please upgrade your browser to improve your experience.

print article Artikel drucken
Lotusblüte, Sporthalle, Thailand, Vorbild, Bambusholz, Chiangmai Life Architects (CLA); Markus Roselieb, Tosapon Sittiwong

Lotusblüte als Vorbild

Der Entwurf der 2017 fertiggestellten Sporthalle von Markus Roselieb und Tosapon Sittiwong, den beiden Projektarchitekten von Chiangmai Life Architects, geht auf das Bild einer sich auffaltenden Lotusblüte zurück. Der Lotus ist im Buddhismus eine zentrales Symbol; auch an der Panyaden Schule wird nach der in Thailand praktizierten Religion gelehrt. So stellten sich die Architekten eine Halle vor, die groß genug sein sollte, um 300 Schülern Platz zu geben, sich aber gleichzeitig unspektakulär in den Bestand aus Lehm- und Bambusbauten und die umliegende Hügellandschaft einreihen sollte. Mehr Raum für sportliche Aktivitäten und Veranstaltungen waren zu vereinbaren mit der Prämisse, nur Bambus als Konstruktionsmaterial zu verwenden, um so den ökologischen Fußabdruck des Bauwerks gering zu halten – gemäß dem Ziel der Panyaden School, eine „Green School“ zu sein.

Aufgrund der natürlichen Belüftung über die in das Dach integrierten Öffnungen bleibt es trotz tropischer Temperaturen in der Halle das ganze Jahr über angenehm kühl. Das Beeindruckende dieses Bauwerks ist aber zweifelsohne seine Konstruktion. Sie ist ein »handwerkliches Meisterwerk«, wie die Architekten schreiben, komplett aus Bambus und damit gefertigt im Sinne örtlicher Tradition. Hierfür arbeitete Chiangmai Life Construction eng mit den Ingenieuren Phuong Nguyen und Esteban Morales Montoya zusammen. Das Tragwerk basiert auf 17 Meter weit spannenden, vorgefertigten Fachwerk-Bogenträgern. Unter- und Obergurt bestehen aus gebündelten und mit Hanf umwickelten Bambusrohren. Die Träger wurden in situ am Boden liegend zusammengebaut und danach mit einem Kran in Position gebracht. Die Konstruktion kommt gänzlich ohne Verbindungselemente oder Verstärkungen aus Stahl aus. Auch Sekundärtragwerk, Dachhaut, Bühne, Galerieebene und Treppen sind ausschließlich in Bambus gefertigt.

Als Holzschutzmittel verwendete man ausschließlich Borax. Das natürlich vorkommende Salz wirkt vorbeugend gegen Schimmel und Insekten. Die Bambus-Halle ist für eine Nutzungsdauer von mindestens 50 Jahren ausgelegt. 

Die Halle mit der klassischen ovalen Form eines Stadions umfasst eine Grundfläche von 782 qm bei Außenmaßen von 25 auf 36 Metern – passend für ein Hallenfußball- oder Basketballfeld bzw. zwei Badminton- oder drei Minivolleyballfelder. Ein Lagerraum für Sportequipment befindet sich an der Schmalseite im Westen. Von der beidseitig angelegten, insgesamt 174 qm großen Galerieebene können die Zuschauer die Spiele in der Halle verfolgen und gleichzeitig nach außen sehen.

Von Nachhaltigkeit reden und nachhaltig handeln sind oft zwei Paar Schuhe. Nicht so bei der Sporthalle der Panyaden International School: Auf dieses aus heimischem Bambus und nach lokalen Techniken konstruierte Zero Footprint-Haus sind die Planer zu Recht sehr stolz. Dies wird auch der Tatsache gerecht, dass sie für ihr Werk jüngst mit Chinas angesehenem Architekturpreis ausgezeichnet wurden, nämlich dem Idea Tops Green Architecture Award 2017.

Weitere Informationen:

Tragwerksplaner: Phuong Nguyen, Esteban Morales Montoya
Fertigstellung: 2017
Bebaute Fläche: 782 qm
Kosten: 300.000 USD

FÜR TRAGWERKSPLANER, BAUINGENIEURE & INTERESSIERTE ARCHITEKTEN

STRUCTURE-NEWSLETTER

Wir informieren Sie in unserem Newsletter regelmäßig über tragwerksrelevante Tehmen und richten dabei den Fokus auf die wichtige Rolle der Tragwerksplaner für das Gelingen anspruchsvoller Bauwerke.