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Synagoge, Regensburg, Staab Architekten Berlin, Dach-Kuppelschale, Brettsperrholz-Elementbauweise, Sichtmauerwerk, Stahlbögen, Betonflachdach

Massive Holzkuppel: Neue Synagoge in Regensburg

Die Synagoge und das Gemeindezentrum sind in einen gestaffelten Baukörper mit einer Fassade aus hochkant vermauerten Sichtziegeln integriert. Das Hauptvolumen, einen Kubus mit flacher Kuppel, setzten Staab Architekten prominent an die südöstliche Grundstücksecke. Nördlich davon entstand ein offener Hof vor dem zurück versetzten Haupteingang. Von der Straße aus über die gesamte Nordseite des Hofs zieht sich eine Glaswand, die Einblicke in die öffentliche Bibliothek gewährt. Ein Foyer verbindet den Neubau mit dem denkmalgeschützten, sanierten Bestand von 1912. Über die Treppe im Foyer erreicht man den Synagogenraum im ersten Obergeschoss: Die Architekten haben ihn als filigrane, hölzerne Raumschale in eine massive Hülle aus Stein gesetzt. Die Seitenwände ragen über den Kubus hinaus. Über den vier Eckpunkten erhebt sich eine flache Kuppel aus gekrümmtem Brettsperrholz. Ihre Geometrie beschreibt den Ausschnitt aus einer Kugel mit dem Radius von 24,66 Meter, bei einem max. Stich von rund 1,64 Meter. Sie ist im Grundriss quadratisch und hat eine Spannweite von 12,13 Metern. Hier erweist sich die Schale einmal mehr als das effektivste aller baubaren Tragwerke: Bei einer statischen Höhe von L/100 ergab sich eine maximale rechnerischen Verformung von lediglich L/400.

20 dreiecksförmige Einzelelemente
Die Schale besteht aus insgesamt 20 Einzelsegmenten, die im Grundriss dreiecksförmig sind und sich wie „Orangenschnitze“ im Mittelpunkt treffen. Die doppelt gekrümmten Brettsperrholz-Segmente gibt es als fünf unterschiedliche Typen, je vier Elemente sind geometrisch gleichartig. Sie sind maximal 2,35 m x 9,00 m (Eckelemente) groß und bestehen statisch aus sieben werkseitig, kreuzweise verleimten Brettlagen. Würde man normale Bretter mit konstanter Breite parallel auf doppelt gekrümmten Oberflächen anordnen, wären klaffende Fugen die Folge. Auf der Innenseite wurde deshalb eine zusätzliche, statisch nicht angesetzte dünne 15 mm Kerto-Fineline-Decklage (Furnierschichtplatten mit senkrechten Furnieren) als Sichtoberfläche aufgeleimt.
Eingerahmt wird die Schale von vier kreisförmigen, gewalzten Stahlbögen, die in den Ecken in Stahlrundrohrstützen eingespannt sind. Die etwa fünfeinhalb Meter langen Stützen lagern auf der Synagogenempore, in horizontaler Richtung sind sie zusätzlich am Betonflachdach gehalten. Statisch wirken sie als 2,5 m lange Kragarme mit einer Einspannlänge von 3 m. Eine Schale mit diesem flachen Stich ist allein mit auskragenden Stützen nicht zu stabilisieren. Umlaufende Zugstäbe schließen den allseitigen Horizontalschub kurz und verspannten das Gesamtsystem. 

In zwei Wochen vor Ort montiert 
Die Elemente der doppelt gekrümmten Brettsperrholzschale wurden bei Merk Züblin Timber in Aichach auf einem Leergerüst kreuzweise verwebt und verleimt, mit Vakuumdruck verpresst und mit einem 3D-Roboter zugeschnitten. Auf der Baustelle wurden die Platten mittels eines zentralen Gerüstturms in den zuvor montierten Stahlrahmen eingepasst, montiert und mit der Schalung ausgesteift. Alles in allem betrug die Montagezeit zwei Wochen. Den ankommenden Ringzugkräften entsprechend wurde die Schale mit den Randträgern unter 45 Grad im Grundriss mit langen Vollgewindeschrauben verschraubt. Die Montagestöße wurden zunächst gelenkig miteinander verschraubt. Auf Grund ihrer »Scharniergelenk«-Wirkung sind die Elementstöße (im Grundriss sternförmig) der statische Schwachpunkt der Konstruktion. Um zu verhindern, dass die Schale schon bei doppelter Volllast durch Faltungen im Bereich der Fugen ausbeult, wurden die Elementstöße durch quer dazu angeordnete, ebenfalls radial gekrümmte Dämmsparren biegeversteift.

Weitere Informationen:
www.detail.de/5-2019-staab

Fertigung Brettsperrholzelemente: Merk Züblin Timber, Aichach

Ausführende Firma: Ihr Tischler,  Harth-Pöllnitz

Stichworte:

FÜR TRAGWERKSPLANER, BAUINGENIEURE & INTERESSIERTE ARCHITEKTEN

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