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TGV, Bahnhof, Marokko, Stahl, UHPC, Hochleistungsbeton, Photovoltaik, Takuji Shimmura

Mit dem Zug zum Suq: TGV-Bahnhof von Kenitra, Marokko

Derzeit wird in Marokko ein Hochgeschwindigkeitsnetz aufgebaut, das dem des französischen TGV nachempfunden ist. Es soll eine Nord-Süd-Linie längs des Atlantiks geben und eine in west-östlicher Richtung ins Landesinnere. Visionär hat man auch eine Unterquerung der Straße von Gibraltar ins Auge gefasst. Momentan endet im nördlich der Hauptstadt Rabat gelegenen Kenitra das erste, seit Anfang 2018 in Nutzung befindliche Teilstück, das in Tanger am Mittelmeer beginnt. Jetzt ist auch der neue Fernbahnhof vollends fertig gestellt. Das 13.500 m² große Gebäude liegt südlich der Altstadt und begreift sich als ein Hybrid aus Bahnhof und Shopping Mall sowie als urbanes Bindeglied zwischen dem historischen Stadtzentrum und einem, sich auf der anderen Gleisseite anschließenden, modernen Quartier. Entsprechend besitzt der Bahnhof einen großen, brückenartigen Gebäudeteil, der über die Gleisharfe spannt.

Hommage an die arabische Kultur
Das Dachtragwerk ist eine Stahlkonstruktion, an deren äußeren Stützen die Fassade abgehängt ist. Diese allein besteht aus 800 vorgefertigten dreieckigen Rahmen aus Ultrahochleistungsbeton (UHPC). In die vertikalen Dreiecke sind Glasscheiben eingelassen, so dass eine thermische Trennung zwischen Innen- und Außenraum entsteht. Manche dieser Füllungen bestehen aus transparenten Horizontallamellen für eine gesteuerte, natürliche Querlüftung. Auch die Dachhaut ist aus Dreiecken angelegt, allerdings handelt es sich hier nur um Metallblenden, die die Unterkonstruktion verkleiden. Hier formen die nunmehr ungefüllten Dreiecke eine engmaschige Lage auf dem das gläserne Flachdach aufliegt, was die wasserführende Schicht bildet.

Die Dachfläche besteht aus Quadraten, die sich jeweils aus zwei gegenüber liegenden Dreiecken der Unterkonstruktion zusammensetzen. Deren aneinander liegende Hypotenusen durchmessen immer diagonal diese Quadratfelder. Manche der Rechtecke sind mit halbtransparenten Glas-Glas-Photovoltaikzellen bedeckt, deren Strom unmittelbar im Bahnhof verbraucht wird.

Die Fassade wie das Dach sind inspiriert von so genannten Maschrabiyyas, offenen, meist blickdichten arabischen Fenstergittern aus Holz, die einerseits Licht und andererseits Schatten spenden. Die Klimatisierung des 200 m langen Bahnhofgebäudes geschieht weitgehend auf natürliche Weise von der Südseite aus, über die Gleisanlagen hinweg und den sich daran anschließenden offenen Bahnsteigen. Die Größe des Bauwerks entspricht dabei der eines TGV-Zuges in einfacher Zusammenstellung. Zugänglich ist das dreigeschossige Bahnhofsgebäude an seiner dem Stadtzentrum zugewandten Nordseite über acht arkadenartige Portale. Sie führen in eine große Halle, die als öffentlicher Raum – auch zum Verweilen – gedacht ist und eine neue Interpretation eines Suq (Bazar) sein könnte.

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