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Richtfest im Jahrhundertbauwerk: Pergamon-Museum in Berlin

Es gibt nur wenige Bauwerke in Deutschland, deren Planungs- und Bauzeit an die des Hauptstadtflughafens BER heranreichen. Die Ertüchtigung und Erweiterung des Pergamon-Museums auf der Museumsinsel zählen in jedem Fall dazu: 2000 gewann Oswald Mathias Ungers den Architektenwettbewerb, seit seinem Tod im Jahr 2007 leitet eine Werkgemeinschaft der Büros von Jan Kleihues, Walter Noebel und BAL die Planungen. 2013 haben die Bauarbeiten am Pergamon-Museum begonnen. Das Jahrhundertvorhaben umfasst zwei Bauabschnitte: die Grundinstandsetzung der Bestandsbauten vom Anfang des 20. Jahrhunderts sowie einen Erweiterungsbau in Form eines aufgeständerten Riegels, der den bisher U-förmigen Museumsbau Richtung Kupfergraben im Westen zu einem Karree schließen soll. Dieser soll indes erst nach Abschluss der Sanierungsarbeiten in Angriff genommen werden. Immerhin wurde hierfür im März 2019 bereits ein Planungsauftrag an das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) erteilt.

Das am 3. Mai begangene Richtfest markiert nun wichtige Etappenziele des ersten Bauabschnitts. So wurde kürzlich nicht nur das neue Eingangsbauwerk, der »Tempietto«, im Rohbau fertiggestellt, sondern auch ein neues Treppenhaus im Nordflügel, das einen dringend erforderlichen zusätzlichen Fluchtweg schafft. Ebenfalls abgeschlossen ist der Neubau einer tragenden Innenwand mit großen Durchbrüchen im Nordflügel.

Pergamon-Altar blieb an Ort und Stelle

Zu den wesentlichen Bestandteilen des Bauvorhabens zählen auch die Instandsetzung und Verstärkung der Dachtragwerke mit neuen, farbneutralen Verglasungen sowie die komplette Erneuerung der Lichtdecken, durch die Tageslicht in die Ausstellungssäle fällt. Weit gespannte Wetterschutzdächer über den Ausstellungssälen ermöglichen Bauarbeiten zu jeder Jahreszeit und schützen die Bausubstanz vor Witterungseinflüssen. Oberhalb des Hellenistischen Saales sind die Arbeiten bereits abgeschlossen, oberhalb des Pergamonsaales und im Nordflügel sind sie weit fortgeschritten. Im sogenannten Nordflügel-Kopfbau finden aktuell die Rückbauarbeiten der alten Stahlkonstruktion statt.

Erschwert werden die Bauarbeiten in den großen Ausstellungssälen durch die Tatsache, dass die hier gezeigten Monumentalarchitekturen wie der Pergamon-Altar für die Instandsetzungsarbeiten nicht demontiert wurden. Dies hätte aus Sicht der Konservatoren ein zu großes Risiko dargestellt. Sie mussten daher eingehaust und mit elektronischen Bewegungssensoren versehen werden. Bei Erreichen festgelegter Grenzwerte für Setzungen und Erschütterungen im einstelligen Millimeterbereich wurden die Bauarbeiten komplett gestoppt, um Beschädigungen der Ausstellungsstücke zu verhindern. Noch in diesem Jahr soll das Echtzeit-Monitoring beendet werden, da die erschütterungs- und setzungsrelevanten Arbeiten wie Spezialtiefbau und Abbruch dann weitgehend abgeschlossen sind.

Tempietto als neues EIngangsbauwerk

Durch den Neubau des »Tempietto« im zentralen Eingangshof, dem »Forum«, soll der Altbau im Zuge der Instandsetzung an heutige Besucherzahlen und -bedürfnisse angepasst und barrierefrei erschlossen werden. Tragwerk und Dach dieses Bauwerks sind inzwischen im Rohbau fertiggestellt. Es handelt sich dabei um eine transparente Stahl-Glas-Konstruktion, deren Tragskelett mit Platten aus fränkischem Muschelkalk verkleidet wird. Seine endgültige Funktion kann der Tempietto indes erst mit Fertigstellung der Gesamtbaumaßnahme übernehmen, da das Forum auch für den zweiten Bauabschnitt als Baustelleneinrichtungsfläche benötigt wird.

Laut Planung soll der erste Bauabschnitt bis 2023 fertiggestellt sein. Schon jetzt warnt der Bauherr jedoch vor: Aufgrund der hohen Anforderungen des Denkmalschutzes sowie der extrem hohen Auslastung der Baufirmen sei eine Verzögerung um bis zu 19 Monate nicht auszuschließen. Es bleibt also spannend, welches der beiden derzeit laufenden Berliner Jahrhundertbauwerke als erstes die Ziellinie überqueren wird.

 

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