You are using an outdated browser. Please upgrade your browser to improve your experience.

print article Artikel drucken
Dialog Design, Museum, Edmonton, Kanada

Royal Alberta Museum - Museumstreppe als Exponat

Alberta ist die westlichste der kanadischen Prärieprovinzen, sie wurde 1882 von den Nordwestterritorien als eigener Bundesstaat abgespalten. Hauptstadt ist Edmonton, entsprechend groß war der Wunsch dem bisherigen heimatbezogenen Naturkundemuseum einen repräsentativeren Charakter zu verleihen. In Edmonton ist es sehr lange sehr kalt, Wintertemperaturen unter -30°C sind keine Seltenheit, über 30°C jedoch eher die Ausnahme. Bewusst haben die Architekten bei dem sehr auf Nachhaltigkeit ausgelegten Museumsneubau auf ein Ausnutzen der Massenträgheit gesetzt und einen klassischen Massivbau aus Beton geschaffen. Wie ein Schwungrad nehmen die Baumassen im Sommer Wärmeenergie auf und geben sie im Winter langsam wieder ab. Gleichzeitig sollte der Bau leicht erscheinen, weshalb die Architekten bewusst mit weiten Auskragungen und expressiv-leicht erscheinenden Konstruktionsdetails gearbeitet haben.

Showtreppe mit makelloser Untersicht
Augenfällig ist die so genannte »Feature Stair« im Eingangsfoyer, eine über 18 m weit spannende, spiralförmige Freitreppe, die auf einer kleinen, freistehenden Wandscheibe ruht. Die Stufenbreite der Treppe beträgt im Mittel 2,20 m, ihre konstruktive Höhe variiert zwischen 0,375 m und 1,15 m im Bereich des massiven Erdgeschossantritts. Für die gewünschte, weitgehend makellose Treppenuntersicht entwickelten Betontechnologen eine Betonmischung mit einer für eine Treppenbetonage geeigneten Steifheit und einem geringen, rissreduzierenden Schwindverhalten, die aber dennoch eine ausreichende Fließfähigkeit (Rheologie) aufweist, so dass die dreidimensional-verformte Schalung vollständig ausgefüllt wurde. Zum Erzielen einer möglichst glatten Oberfläche erstellten Zimmerleute eine glatte Holzschalung, die zusätzlich mit einer Expoxitharzschicht belegt und beigeschliffen wurde. Unerwünscht waren so genannte »Druckstellen«: sowohl eine Lunkerbildung (sichtbare Kornzuschläge), ein unschönes Durchdrücken der Stahlarmierung aber auch eine Setzbewegung der Schalung infolge der bei einer vor-Ort Betonage unvermeidlichen, zeitweiligen Punktlast. Hier arbeiteten die Ingenieure in schrittweiser Betonage. Zusätzlich wurden die nach oben herausragenden Bewehrungseisen der künftigen Betonstufen an temporär aufgestellten stählernen Horizontalträgern abgehängt. Diese überspannten meterweise das »freischwebende« Paket aus Holzschalung und Stahlbewehrung. Die entsprechenden Vertikalverbindungen wurden erst kurz vor der eigentlichen Stufenbetonage entfernt, als die zuerst eingebrachte geneigte Grundebene der Freitreppe bereits tragfähig war. Das Design der Treppe wurde in 3D-Modellen entwickelt, in eine Arbeitsumgebung des Building Information Modelling (BIM) überführt und schließlich an das ausführende Bauunternehmen weitergereicht worden.

Weitere Informationen:

Generalübernehmer:
Ledcor Design-Build (Alberta) Inc.

Fassadenplanung: Morrisson Hershfield

Raumakustik: FFA Consultants

Lichttechnik: Gabriel Mackinnon

FÜR TRAGWERKSPLANER, BAUINGENIEURE & INTERESSIERTE ARCHITEKTEN

STRUCTURE-NEWSLETTER

Wir informieren Sie in unserem Newsletter regelmäßig über tragwerksrelevante Tehmen und richten dabei den Fokus auf die wichtige Rolle der Tragwerksplaner für das Gelingen anspruchsvoller Bauwerke.