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London, Coal Drops Yard, Heatherwick Studios, Arup

Schwingende Dachbänder: Der Coal Drops Yard in London

Zwei lang gestreckte, in leichtem Winkel zueinander stehende Lagerhäuser aus dem 19. Jahrhundert wurden aufwändig umgebaut und bilden heute eine von Londons angesagten Adressen zum Einkaufen und Flanieren. Ziel der Umstrukturierung war es, die ehemalige Brache wieder zu einem lebendigen Teil der Stadt zu machen, die beiden Gebäude zu verbinden und einen überdachten öffentlichen Platz zu schaffen. Heatherwick Studio entwickelte eine verblüffende Figur, bei der sich die beiden inneren Satteldachflächen des Bestandes zu frei schwingenden Bändern aufwölben, die sich scheinbar vom Gebäude lösen und in der Mitte in einem Punkt berühren.

Funktional entsteht ein Brückengeschoss zwischen den beiden Gebäuden, das zum zentralen Fokus der gesamten Anlage wird. Dieser Raum hat einen schmetterlings-artigen Grundriss, dessen zwei Flügel nur durch die kurze Berührungslinie verbun-den sind. Von hier bieten sich durch eine geschuppte Verglasung Ausblicke auf die umgebenden Stadtbezirke.

Balanciertes Gesamtsystem
Um eine solch aufwändige Dachkonstruktion auf die nicht weiter belastbaren alten Gebäude setzen zu können, erhielt das neue Dach eine eigenständige Lastabtragung aus Stahlstützen, die den Bestand durchdringen, ohne die Nutzbarkeit der Räume zu beeinträchtigen.

Tragwerksplanerisch besonders anspruchsvoll war die Integration eines Tragwerks in die skulpturale Dachform, ohne dass es optisch als eigenständiges Element in Erscheinung tritt. Die beiden aus der Dachfläche schwingenden Bänder werden am Hochpunkt von einem A-förmigen Primärtragwerk unterstützt. Es besteht aus zwei liegenden  Holmen, deren Fußpunkte mit einem Zugseil verspannt sind.

Die beiden Dachbänder selbst sind als dreigurtige Fachwerkträger ausgebildet und können als zwei gegeneinander gelehnte Bögen betrachtet werden. Auch ihre Enden sind über Zugseile verbunden, sodass sich insgesamt ein in beiden Richtungen geschlossenes System ergibt, das keine Horizontalkräfte auf den Bestand überträgt.

Da der geometrisch logische Schnittpunkt der beiden Holme des A-Trägers außerhalb der Dachflächen liegen würde, wurden an dieser Stelle – dem »Kusspunkt« – zwei V-förmige Verbindungsstücke eingeführt. Es handelt sich um schwere, leistungsfähige Stahlbauteile, die beträchtliche Druckkräfte auf der Unterseite um den eigentlichen Schnittpunkt der Träger herum leiten. Erst diese Geometrie ermöglicht das störungsfreie Durchlaufen der Dachflächen am sensiblen Berührungspunkt.

Eine ausführliche Print-Dokumentation finden Sie in unserer Ausgabe structure 01/2019.

Weitere Artikel zur Ausgabe structure 1/2019 finden Sie hier.

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