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Olympic Sport Centre, Suzhou, gmp, Sportzentrum, Dachtragwerk, Stahlseilachsen, Metallpaneele

Stadion des Olympic Sports Center in Suzhou: Radspeichen über der Gartenstadt

Das 4,3 Millionen Einwohner zählende Suzhou, etwas über 80 km westlich von Schanghai gelegen, gilt als die Gartenstadt Chinas: Neun der Gärten zählen zum Weltkulturerbe der Unesco. Mit seinem Sportzentrum knüpften die Hamburger gmp Architekten an die Gartenidee an. Entstanden ist ein Sport- und Bürgerpark mit einer funktionalen Durchmischung von Grün- und Wasserflächen, die vier Großbauten umschließen: Ein 45.000 Besucher fassendes Stadion, eine Wettkampfhalle für 13.000 Sportfans, eine Schwimmhalle mit 3.000 Plätzen sowie eine große Shopping-Mall. Die vier Solitärbauten stehen auf bis zu 12 Meter hohen Podien inselartig in dem Parkareal. Allen gemein ist eine reliefartige Fassade mit horizontalen Linien, die mal aus hellem Naturstein, mal aus matt-weißem Metall besteht.

Assoziationen zu Kapstadt
Mit seiner, sich elliptisch zu den Spielfeldstirnseiten aufschwingenden, Traufkante und der Horizontalgliederung der vertikalen Außenflächen, weckt das neue Stadion subtil Assoziationen zum Stadion von Kapstadt, das gmp 2010 für die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika schuf. Aufgehendes Tragwerk und Dachkonstruktion unterscheiden sich jedoch diametral: Das Dach ist die  erste einlagige Kabelnetzkonstruktion Chinas. Man kann sich die Fläche wie ein gespeichtes Fahrrad-Rad vorstellen, das deckelartig auf einer großen Schüssel liegt. An seinen Speichen ist eine Folie aus Polytetrafluorethylen (PTFE) fixiert, die den Raum darunter vor Regen und Sonne schützt. Während bei einem Fahrrad die Speichen alle in einer Narbe zusammenlaufen, gibt es hier zwei Zugringe, die gegeneinander mit Luftstützen – frei schwebenden Druckgliedern – ausgesteift sind. Das Dachtragwerk wird von allen Seiten mittels radialer Stahlseilachsen straff nach außen gezogen und so in der Schwebe gehalten. Eine »Felge«, hier ebenfalls ein außen umlaufender Druckring, kontert die inneren Zugkräfte. Dieser Ringanker liegt völlig momentenfrei auf der Fassade des Stadionrundkörpers auf. Das Hochziehen der Trauflinie hat hingegen keine statischen Erfordernisse, sondern resultiert aus der inneren Funktionalität. In diesen Bereichen liegen die Spielfeldschmalseiten und damit auch die Tribünenecken mit den größten Zuschauerentfernungen zum Spielfeld. Ein niedriges Dach würde hier die Sicht behindern. Der formale Kunstgriff ermöglicht zudem ein, die Sichtlinien nicht störendes, Aufhängen von Großbildschirmen, die in dieser Eckposition unterhalb des Stadiondachs weltweit üblich sind.

Verneigung der Fassade
Die halboffenen Fassadenflächen des Stadions bestehen aus einer halboffenen licht- und luftdurchlässigen Blechbeplankung. Sie wurde gefertigt aus einer widerstandsfähigen Aluminium-Magnesium-Mangan-Legierung. Fixiert sind die horizontal angeordneten Metallpaneele an sichtbar geneigten und weiß lackierten, V-förmigen Stahlrundstützen. Deren beachtliche Durchmesser resultieren vor allem aus der Dachlast, die sie ebenfalls aufnehmen und in die Fundamente ableiten.

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