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Kongresszentrum, Ausstellungshalle, Fachwerk, Holzkonstruktion, Italien, Simone Bossi

Traggestell hinter Glas: Kongress- und Ausstellungszentrum in Agordo

Mit Brillengestellen verhält es sich wie mit Tragwerkkonstruktionen: Sie sind entweder unsichtbar und »randlos«, oder sie sind in Szene gesetzt: Entsprechend der Idee die Konstruktion zu zeigen, entstand in Agordo, einer Gemeinde in Nordvenetien, ein 6.400 m² großes Kongress- und Ausstellungszentrum, das von seinen überdimensioniert wirkenden Diagonalstreben markant geprägt ist. Sie sind identisch dimensioniert wie die Last tragenden Stützen und ebenfalls aus Leimholz gefertigt. Beide Elemente stoßen jeweils in den Fußpunkten und Kopfknoten aneinander. Letztere bilden gleichzeitig das Auflager für die Unterkonstruktion der vier flachen, unmittelbar aneinander anschließenden Satteldächer.

Entworfen wurde der in seiner Grundfläche 112 m x 57 m messende und 14 m hohe Hallenbau von den beiden norditalienischen Architekturbüros Studio Botter und Studio Bressan, die auch gemeinsam das Tragwerk entwickelten. Erschlossen wird das Kongresszentrum über ihre Nordseite, der ein kleiner Vorplatz sowie die Besucherparkflächen vorgelagert sind. Während an ihrer südlichen Stirnseite in geringem Abstand ein bestehendes Lagerhaus und ein Hubschrauberlandeplatz folgen, sind auf der Ostseite die Neben- und Serviceräume halb in das ansteigende Terrain eingegraben. Die – wie auch die Nordfassade – vollständig verglaste westliche Längsseite öffnet sich hingegen zum Flüsschen Cordevole.

Baukonstruktion
Das Fundament besteht aus Köcherfundamenten, die über eine Stahlbetonbodenplatte miteinander verbunden sind. Auf dieser wurde ein hochbeständiger Quarzestrich für Industrieböden aufgebracht, der für starke Punktlasten und für Maschinenverkehr (Gabelstapler) ausgelegt ist. Statisch handelt es sich bei der Hallenkonstruktion um eine Folge isostatischer Rahmen, die durch die besagten diagonalen hölzernen Zugstangen ausgesteift sind. Das Achsmaß der jeweils 44,80 m langen Fachwerkträger beträgt 6,40 m, wobei jedes der vier Satteldachsegmente über vier Achsen reicht oder 25,60 m breit ist. Angeflanscht an die Kopfenden der im Innenraum offenen Fachwerkträger sind geschlossene Leimholzschwerter gleicher Bauhöhe und -breite, die die vorkragenden Dachflächen stützen. Gegenüber, auf der halb eingegrabenen Ostseite, sind die Fachwerkträger hingegen mit stählernen Zugankern im ansteigenden Erdreich gesichert. Untereinander sind die Fachwerkträger mit Nebenpfetten verbunden, die jeweils der Dachneigung folgen.

Die Unterkonstruktion der Dachfläche besteht aus vorgefertigten Lattenrosten, die eine erhöhte Querkraftstabilität aufweisen und den Bau zusätzlich gegen seismische Kräfte sichern. Auch die geschlossenen Fassadenflächen der Ost- und Südseite bestehen aus diesem Material. Der ganze Bau zeichnet sich durch seine große Leichtigkeit aus und den hohen Grad der Vorfertigung, was den Einsatz von numerisch gesteuerten Maschinen ermöglichte und die Bauzeit erheblich verkürzte. Der technische Ausbau wurden weitgehend unsichtbar installiert. Die oft auf den Hallendächern installierten Haustechnik-Aggregate befinden sich hier gut versteckt im zweiten Stock des östlichen Serviceflügels.

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