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Traukapelle, Nagasaki, Japan, Holztragwerk, Zedernholz, Yu Momoeda Architecture Office, Yousuke Harigane

Traukapelle in Nagasaki

Die 2016 fertiggestellte Agri Chapel des Architekten Yu Momoeda ist Teil eines Gebäudeensembles für Hochzeitsfeiern inmitten eines Nationalparks an der Küste Nagasakis. Die japanische Präfektur liegt im Nordwestteil von Kyūshū im Süden des Landes. Kyūshū ist die drittgrößte und zweitbevölkerungsreichste Hauptinsel Japans. 

Bei dem der Trauzeremonie gewidmeten Bau ließ sich der 35-jährige Entwurfsverfasser von der neugotischen, aus Stein und Holz erbauten Nagasaki Ohura Kathedrale inspirieren. Als ältestes Kirchenbauwerk in Japan ist diese unter Einheimischen und Touristen sehr beliebt. Die Kapelle, ein zehn auf zehn Meter großer und rund acht Meter hoher Raum, nimmt auf den historischen Bau Bezug: Der Charakteristik der Gotik entsprechend sind ihre Wände durch große Öffnungen durchbrochen; der Kapellenraum erscheint dadurch licht und hell. Wichtigstes gestalterisches Element ist jedoch das Dachtragwerk, eine in der Höhe dreiteilig gestaffelte, fraktal strukturierte Konstruktion aus Zedernholz. Diese ist zu verstehen als Anleihe der konstruktiven Dreiteilung gotischer Sakralbauten in Strebepfeiler, Seiten- und Hauptschiff.

Dem Entwurf der Kapelle liegt ein regelmäßiges diagonales Raster zugrunde, das die in Holzständerbauweise errichtete Fassade sowie das Dachtragwerk bestimmt. Letzteres liegt auf vier symmetrisch im Raum verteilten Baumstützen aus jeweils fünf gebündelten Holzprofilen (120/120 mm) auf. Diese wiederum setzen sich in fraktaler Struktur von unten nach oben in immer kleineren Einheiten fort. Die unterste der drei Tragwerksschichten misst in ihrer Gesamthöhe 3,5 Meter, die mittlere – entsprechend dem für einen Fraktal typischen Verkleinerungsfaktor a/√2 – insgesamt 2,475 Meter und die oberste 1,75 Meter. Die mittlere Tragwerksebene ist wiederum aus acht 90/90 mm-Profilen aufgebaut, die oberste aus 16 Profilen der Maße 60/60 mm. Dieser fraktale Aufbau machte es möglich, in der Raummitte auf Stützen zu verzichten. Die Horizontalkräfte werden über die vier Raumecken abgeleitet. Deren innere Wandschichten sind auf Traglasten von bis zu 25 Tonnen ausgelegt. Die Profilverbindungen im Dach halten über Zapfen, Knotenbleche und Schrauben. Stahlrundstäbe mit 16 Millimeter Durchmesser steifen das Tragwerk in horizontaler Ebene aus. 

Der Architekt, der an der Kyushu Universtät lehrt und vor der Gründung seines eigenen Büros bei Kengo Kuma gearbeitet hat, schreibt, dass er mit seiner Agri Chapel Gebautes und Umgebung eins werden lassen wollte. Alle vier Ansichten des Baus sind gleich behandelt; die fast raumhohen, mittig angeordneten Fassadenöffnungen nehmen exakt die Hälfte der Seitenflächen ein und stellen den Bezug des Innenraums nach außen her. Die Oberflächen in dem Sakralbau sind geprägt von reduzierter Farbigkeit. Weiß beplankte Außen- und Innenflächen sowie der Boden aus weißen Porzellanfliesen dienen als neutraler Hintergrund für das helle Zedernholz von Möblierung und Tragwerk.

Weitere Informationen:

Gebäudetechnik: Ittetsu Koga, Masaru Murayama/ Koga Sekkeishitsu
Beleuchtung: Masaaki Sato, Ryohei Koyama, Tatsuya Fujii / ModuleX
Entwicklung: Yuji Ide, Masanobu Ide, Yoshihiro Iwanaga / Yushin Construction
Möblierung: Takaya Ishikawa /AURA CREATE
Grundstücksfläche: 17.927,55 m²
Traufhöhe: 7,745 m
Dachhöhe: 8,395 m
Grundfläche: 125,27 m²
Fertigstellung: 2016

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