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Hochhaus, Shopping Mall, Omniturm, Stahlbeton, Frankfurt, BIG Architects

Turm mit Hüftschwung: Omniturm in Frankfurt a.M.

In Frankfurt am Main wächst die Skyline derzeit rasant weiter: Neben dem Omniturm sind aktuell noch der »Grand Tower«, der »Marienturm« und der »WinX« im Bau. Ersterer nimmt allerdings aufgrund seiner markanten Silhouette sowie durch seine Mischnutzung eine gewisse Sonderstellung ein. Das Hochhaus besitzt – wie heutzutage annähernd üblich – in der Sockelzone eine Shopping Mall und darüber Büros. Zwischen der der 15. bis zur 22. Etage finden sich zudem Apartments, die dem hohen Wohnungsbedarf in der Mainmetropole in exklusiver Form Rechnung tragen.

Twist und Torsion
Das auf diesen Etagen geänderte Raumprogramm, gepaart mit dem Wunsch die Wohneinheiten mit Balkonen auszustatten, führte zu einer Horizontalverschiebung der Geschossflächen. Es entstanden zudem Unterschnitte, die fürs Wohnen attraktive und individuelle Sonderlösungen ermöglichten. Vergleichbar ist der architektonische Kunstgriff der dänischen BIG Architekten mit einem Kartenspielstapel: Ist eine Karte an der Vorderseite nicht bündig, ragt sie hinten hinaus. Die Planer haben das einmal im gesamten Bau vorkommende Detail im Goldenen Schnitt angelegt – bezogen auf die 190 m umfassende Gesamthöhe des Gebäudes – und bezeichnen es als »Hüftschwung«. Die bis zu 5 m umfassende Horizontalauslenkung gegenüber der Vertikalachse des 46-geschossigen Gebäudes war für die Tragwerksplaner eine konstruktive Herausforderung. Gemeistert wurde sie durch eine Schrägstellung der Stützenstränge, durch Lastumverteilungen und zusätzliche Vertikalträger. Oberhalb der Auslenkung kehrt der Turm zu einer einfachen Stapelung von gleichartigen Geschossflächen zurück und weist eine klassische, senkrechte Fassade auf. Mit dem »Hüftschwung« wurden Terrassen für alle sieben Etagen geschaffen.

Schuhe und Muffen
Der Omniturm ist ein klassisch konstruiertes Hochhaus, allerdings mit Haupt- und Nebenträgern aus Stahlbetonfertigteilen. Die Geschossdecken und auch der Gebäudekern mit den Aufzügen und den Versorgungsschächten bestehen aus Ortbeton. Der Versatz der Deckenplatten erforderte einen Verzicht auf senkrechte Außenstützen in diesem Bereich, insbesondere in den Ecken. Die Betonfertigteilbauweise bot hier planerische Vorteile, da nur wenige Details erforderlich waren, die in verhältnismäßig hoher Stückzahl repliziert wurden. Die auf die Unterzüge einwirkenden Scherkräfte, wurden durch zusätzliche Zugverbindungen zentriert. Für eine saubere Kraftübertragung wurden Betonfertigteilunterzüge mit speziellen Stützenschuhen und Muffenbolzen ertüchtigt, die eine Feuerwiderstandsklasse von R120 besitzen. So wurden zudem Torsionsmomente da vermieden, wo Unterzüge auf Stahlbetonkonsolen auflagen oder Neben- auf Hauptträgern. Zum Jahreswechsel 2019/2020 soll der Omniturm in Nutzung gehen.

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