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Sinning Architekten, Uni Marburg, Dach

Universitätsbibliothek Marburg: Parallelverschieben einer Welle

Die Marburger Philipps-Universität organisiert sich neu: Die Geisteswissenschaften werden in der Innenstadt konzentriert, die Medizin in die Außenbereiche auf die Lahnberge verlagert. Damit einher ging die Schaffung einer Zentralbibliothek als Arbeits- und Lernort der Studierenden. Neuer Standort ist das zentral gelegene Grundstück einer früheren Hautklinik am Fuße des Altstadtberges. Gelegen zwischen der nahen, wichtigen Elisabethkirche und dem botanischen Garten, war städtebaulich eine öffentliche Durchwegung gefordert. Das Gelände steigt in Richtung Altstadt steil an, weshalb nicht zuletzt auch wegen dem enormen Raumprogramm der westliche Bauteil ein Geschoss höher ist, als der östliche.

Geometrisch ergab dies eine amorph-gekrümmte Freiform für das Dach dieser Passage. Aus Kostengründen wird auf gekrümmte Gläser verzichtet. LAP entwickelte stattdessen ein statisches Konzept auf Basis von Translationsflächen. Dazu legten sie hinreichend mittig eine die Passage durchlaufende Leitlinie fest. Es ist letztlich der mittlere ausgeführte Horizontalträger. Im 3D-Modell wurde dieser seitlich parallel verschoben, dupliziert und diese neuen Tragelemente dann in ihrer Höhenentwicklung entsprechend dem gewünschten Dachverlauf angepasst. Da Parallelverschieben geometrisch eine vektorielle Funktion ist, die entlang einer Schar gleichgerichteter Linien verläuft, konnten in jedem Gitterfeld die flachen Glasscheiben entlang dieser Linien angeordnet werden; da diese Schar eine Fläche beschreibt.

Zwischen den einzelnen, nicht geraden Horizontalträgern entstand so ein Gitter mit unregelmäßig langen Kanten, die auch innerhalb eines einzigen Feldes nicht identisch sind und die zueinander unterschiedliche Winkel aufweisen. Die Glasflächen waren Einzelanfertigungen für jedes Feld, sie haben kaum rechte Winkel und wurden nur selten zueinander parallel montiert.

Angelegt ist die Passage als untemperierter Raum. Lüftungsschlitze im Sockelbereich und im Dach erzeugen einen Kamineffekt mit natürlicher Konvektion, die selbst an heißen Sommertagen überraschend effektiv ist. Im Winter werden diese Klappen geschlossen. Die durch die Passage getrennten Bibliotheksflügel sind auf jeder Ebene durch Brücken miteinander verbunden. Die oberen beiden Übergänge sind allen Nutzern zugänglich, als Teil der intern offenen Bibliothek eingehaust und entsprechend klimatisiert. Die untere Brücke ist exklusiv Mitarbeitern vorbehalten. Sie öffnet sich zur Passage und ist mit Glastüren von der Präsenzbibliothek abgetrennt. Hier war es ein Architektenwunsch, den Raumcharakter der Passage zu erhalten. Wäre auch die unterste Brücke geschlossen, hätte dies einen formalen Riegel geschaffen - eine optische Zäsur der Passage.

Die Architekturaufnahmen wurden im Rahmen eines Fotoseminars an der TH Mittelhessen in Gießen erstellt.

Weitere Informationen:

Fassadenbau Passage: Roschmann, Gersthofen
Fassadenaußenverkleidung: Eternit, Heidelberg
Freiraumplanung: LOEK, Darmstadt
Neubau Nutzfläche (NF): 17.494 m²
Bruttogrundfläche (BGF): 29.582 m²
Bruttorauminhalt (BRI): 148.652 m³
Gesamtkosten: 120 Mio. €

 

 

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