You are using an outdated browser. Please upgrade your browser to improve your experience.

print article Artikel drucken
Rad- und Fußgängerbrücke, Corten-Stahl-Tragwerk, Naturschutzgebiet, Ligurien, Italien, LD+SR architetti

Verbinden und innehalten: Rad- und Fußgängerbrücke über die Nervia, Ventimiglia/IT

Die beiden ligurischen Orte Ventimiglia und Camporosso trennt das Flüsschen Nervia. Dessen langgestreckte, 44 ha umfassende Talaue beherbergt rund 160 Pflanzen- und 140 Tierarten und ist Naturschutzgebiet. Die neue, 120 m lange Brücke überspannt die Landschaft im Mündungsbereich der Nervia in das ligurische Meer. Die Brückenarchitekten Luca Dolmetta und Silvia Rizzo von LD+SR architetti legten ihren Entwurf deshalb ausgesprochen introvertiert an: Neben den beiden Brückenköpfen musste ein schlankes Stützenpaar reichen, von denen das westliche Element zur Längsaussteifung nach innen geneigt ist. Alle vier Ortbetonelemente haben regalartige Nischen, die Vögeln als Brutflächen dienen sollen. Die beiden Stützen teilen die zwischen 3,00 m bis 5,50 m breite Brückenfläche in drei gleichmäßige Teile von rd. 40 m Länge.

Flusskreuzung mit »creuze«
Der unregelmäßige Grundriss und die leicht ansteigende Brüstungshöhe fußen auf statischen Erfordernissen, sind aber auch formal gewollt. Dabei haben sich LD+SR architetti von den »creuze«, alten, ligurischen, von durchgehenden Mauern flankierten Wirtschaftswegen, inspirieren lassen. Auch unregelmäßige Stützmauerassoziationen, wie man sie aus Weinbergen kennt, finden die Architekten als Bild akzeptabel. Tatsächlich wollten sie ihrer Brücke nicht nur die klassische, zwei Ufer miteinander verbindende Funktion geben, sondern mit einer außermittigen Aufweitung einen Ort zum Innehalten schaffen. Die bis zu 1,70 m hohen Brüstungen dienen primär zum Fernhalten der vom Verkehr ausgehenden Unruhe auf das Naturschutzgebiet, wo Vögel u.a. in den erwähnten Betonnischen brüten. Dennoch finden sich in diesen »Brücken-creuze« unregelmäßig angeordnete, schmale, horizontale Sehspalte, die einen Blick auf den Flusslauf gewähren.

Flaches Brückenband
Die Brüstungen bestehen aus einem Corten-Stahl-Tragwerk, dass innenseitig etwa zur Hälfte mit einer vertikalen Holzschalung geschlossen ist, die besagte Seeschlitze aufweist. Die andere Hälfte ist mit einer bunten Holzstablattung belegt, die in ihrer halboffenen Anordnung ebenfalls einen vagen Blick auf Landschaft gestattet. Farbgebung und Anmutung sollen an Schilfgras erinnern. Die Stahlkonstruktion der Brüstungen ließ eine erhebliche Reduktion des Ortbeton-Brückenkörperquerschnitts zu, da diese statisch als Randbalken fungieren. So war es möglich, den Kastenträger als ein schmales Betonband auszuführen. Der darauf aufgebrachte Fahrbahnbelag besteht aus einem Baustoff mit weißem Gesteinsmehl aus einem lokalen Steinbruch als Zuschlag. Die Gehfläche erscheint wie begehbarer Weißbeton.

FÜR TRAGWERKSPLANER, BAUINGENIEURE & INTERESSIERTE ARCHITEKTEN

STRUCTURE-NEWSLETTER

Wir informieren Sie in unserem Newsletter regelmäßig über tragwerksrelevante Tehmen und richten dabei den Fokus auf die wichtige Rolle der Tragwerksplaner für das Gelingen anspruchsvoller Bauwerke.