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Durst, Brixen, Monovolume Architecture + Design, Druckmaschinenherstellers, Firmengebäude

Verwaltung versetzt: Konzernsitz eines Druckmaschinenherstellers

In Zeiten analoger Filmentwicklung waren Negativprojektoren der Marke »Durst«, selbst für private Dunkelkammern das Maß aller Dinge. Mit zunehmender Digitalisierung entwickelte sich der optisch hochqualifizierte Maschinenbauer aus Brixen zu einem Hersteller digitaler Druckmaschinen. Vor knapp vier Jahren lobte das Unternehmen einen eingeladenen Architektenwettbewerb zum Umbau seines Stammsitzes aus, den die Südtiroler Architekten Patrik Pedò und Juri Pobitzer von Monovolume gewannen. Sie griffen eine bislang unrealisierte Turmidee des ersten Durst'schen Architekts Othmar Barth aus den 1960er Jahren auf. Allerdings gaben sie dieser Landmarke nunmehr die Anmutung eines 35 m hohen Flugzeugleitwerks, an das liegender, amorpher Baukörper in einem kühnen Schwung angeformt ist, der auf einem quaderförmigen, gläsernen Erdgeschoss fußt. Das Ganze umfasst rd. 5.700 m² und birgt im EG einen Showroom und darüber Büros für 142 Mitarbeiter sowie ein Schulungs- und Konferenzzentrum.

Schwebende Verwaltung
Der Neubau wird geprägt von seiner Obergeschossfassade mit 842 kleinen Fensteröffnungen, die dieser, angeordnet in Bögen und Splines eine pixelige Anmutung verleihen, insbesondere nachts, wenn deren mattierten Gläser durch LED-Licht erstrahlen. Das Obergeschoss kragt an der weitesten Stelle 7 m gegenüber der orthogonal geführten Glasfassade der Eingangsebene aus. Getragen wird der geschlossen erscheinende Teilkörper weitgehend von Geilinger-Stützen – mit Beton verfüllte Stahlrohre, die zusätzlich einen Stahlkern besitzen. Mit ihnen war es möglich, mit einem relativ kleinen Durchmesser von 323,9 mm zu arbeiten; trotz der immensen, durch die Auskragung bedingten Querkräfte. Bei einer Höhe von 5,5 m werden die Rohre mit einer Kraft von Fd = 6.500 KN belastet.
EG und OG liegen nur teilweise übereinander und sind im Bereich der Auskragung fast vollständig zueinander versetzt. Auf der Erdgeschossdecke entsteht durch das geschwungene OG ein erhöhter Innenhof, der von einer zweigeschossigen, 1.300 m² großen Pfosten-Riegel-Fassade umgeben ist.
Infolge des nur 1,5 m unter OK Gelände anstehenden Grundwassers mussten die Geilinger-Stützen auf Großbohrpfähle gegründet werden und der Keller als Weiße Wanne ausgeführt werden.

Pixelfassade
Die Unterkonstruktion der »Pixel«-Fassade besteht aus Rechteckrohren, die mit Kreuzlagenholz (KLH) ausgefacht sind. Im Turmbereich umschließt sie die geneigten Geilinger-Rundstützen, die die Geschossplatten aus Beton tragen. An die Unterkonstruktion wurden mittels eigens entwickelter Aluminium-Strangpressprofile die sichtbaren, pulverbeschichteten Metallpaneele appliziert. Als Bindeglieder fungieren tausende, unterschiedlich lange Sonderkonsolen aus feuerverzinktem Stahl zur präzisen Justage des Fassadenabstands zwischen 300 und 1.800 mm. Oberhalb dieser Vertikalfläche liegt eine 913 m² große geneigte "Dachfassade"; eine Stahl-Glaskonstruktion aus 182 unterschiedlichen, teilweise dreieckigen Isolierglasscheiben. Sie geht in einer kegelartigen Krümmung in die gläserne Ostfassade des Turmes über. Der Hybrid aus Dachfläche und Fassade hat eine maximale Spannweite von 13 m.

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