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ESO, Frener und Reifer, Bernhard und Partner Architekten, Bollinger Grohmann, Garching

Zwei Kerne, die verschmelzen: Neue ESO Supernova in Garching

Das Planetarium mit 109 Plätzen und eine 2200 m2 große, interaktive Ausstellung auf drei Ebenen sollen der Öffentlichkeit Faszination und Bedeutung von Astronomie und Astrophysik vermitteln. Die Form des Gebäudes steht für ein verschmelzendes Doppelsternsystem kurz vor der Explosion, die aufbrechende Außenhülle symbolisiert den beginnenden Massenaustausch. Die Oberfläche besteht aus 1400 unterschiedlichen, 4 mm starken Aluminiumpaneelen, die zweisinnig, teils dreisinnig gekrümmt sind. Die vertikalen raumbildenden und tragenden Elemente bestehen aus gekrümmten Betonstreifen, die sich, dem gestalterischen Prinzip der Supernova folgend, zu freigeformten Schalen und Schalensplittern entwickeln. Verschieden große Öffnungen und Spalte, die durch Versetzung entstehen, ermöglichen Blickbeziehungen zwischen den Ausstellungsräumen sowie Ein- und Ausblicke zur Umgebung.

Dreidimensional und parametrisch
Aufgrund der hohen geometrischen Komplexität des Gebäudes wurde der komplette Rohbau – von der ersten digitalen Skizze bis hin zur Schalungsplanung – anhand eines 3D Modells entwickelt und kommuniziert. Mit dem NURBS-Modeller »Rhinoceros« zum Modellieren von Flächen und Volumina und dessen grafischer Programmierschnittstelle »Grass-hopper« wurde das architektonische Grundkonzept mit allen raumbildenden Elementen von Anfang an parametrisch aufgesetzt.

Sonderschalung: Jedes Element ein Unikat

Die Herausforderungen an die Schalung für die geneigten und gleichzeitig gekrümmten Wände waren hoch. Jeder Betoniertakt war verschieden, jedes Schalungselement ein Unikat. Eigens für die Schalpläne wurde ein digitaler Workflow entwickelt, der alle Außen- und Innenschalen in 2D Plänen abbildete. Jedes der insgesamt 200 Segmente ließ sich in einer isometrischen Darstellung samt Beschriftung und mit Abwicklung der inneren und äußeren Mantelfläche, Schnitten und komplexen Anschlüssen automatisch generieren. Für einen optimalen Prozessablauf wurden alle horizontal anschließenden Bauteile von Anfang an in die Bewehrungsplanung integriert und die, für die Abwicklung relevanten Informationen direkt auf den Schalenflächen dargestellt.

Erschließung über spiralförmige Rampenwege

Der Besucher erschließt sich das Gebäude vom Foyer im Erdgeschoß aus. Sein Weg führt ihn spiralförmig über Rampenwege und Galerien zwischen den beiden Kernen im Gebäudeinneren und der Außenschale entlang. So umwindet er die Rotationsschwerpunkte der beiden Kerne: das Planetarium und den 15 m hohen Luftraum unter einer Glas-Gitterkuppel mit 250 m2 und 264 verschieden großen Scheiben.





Weitere Informationen:

Schalung: Doka, Maisach
Baufirma: Grossmann Bau, Rosenheim
Fassade u. Kuppel: Frener & Reifer, Brixen

Eine ausführliche Print-Dokumentation finden Sie in unserer Ausgabe structure 3/2018.

Weitere Artikel zur Ausgabe structure 3/2018 finden Sie hier.